„Französische Verhältnisse“: Vater und Sohn Engel beeindrucken Einfühlungsvermögen und Brillanz

Steinfurt -

Die Medien feiern seine „brillante Spieltechnik“ und die „unbändige Leidenschaft“, die er zum Ausdruck bringt: Pianist Martin Engel, von Geburt an blind, gastierte am Samstag mit seinem Vater Burkhard Engel vom Cantaton Theater Erbach im Musiksaal der Hohen Schule.

Ein beeindruckendes Duo: Martin und Burkhard Engel überzeugten auf ganzer Linie.
Ein beeindruckendes Duo: Martin und Burkhard Engel überzeugten auf ganzer Linie. Foto: Nix

Eingeladen zu diesem „literarischen Klavierabend“ hatten die Stadtbücherei in Kooperation mit ihrem Förderverein und der Musikschule. „Französische Verhältnisse“ war die Veranstaltung überschrieben.

Bibliotheksleiterin Monika Frieling begrüßte das zahlreich erschienene Publikum. Burkhard Engel ist vielen Steinfurtern durch seine Bücherei-Auftritte als kurzweiliger Rezitator bekannt. Sein Sohn spielte am Samstag auf dem Flügel Werke von Debussy, Liszt und Chopin. Der Vater rezitierte einen der bedeutendsten deutschen Dichter, Schriftsteller und Journalisten, Heinrich Heine (1797 – 1856), der sich seinerzeit pointiert über die Komponisten äußerte.

Das Publikum erlebte einen atemberaubenden Auftritt. Mit brillanten, exakten und äußerst sauber angeschlagenen Läufen fegte Engel über die Tastatur. Das Einfühlungsvermögen in die Stücke wie „Images 1“ von Claude Debussy oder die 4. Ballade in f-Moll von Frédéric Chopin war gigantisch. Die „Badischen Neuen Nachrichten“ schrieben im Jahr 2014 von „musikalische(r) Anmut mit Druck, Dynamik und tiefer Innerlichkeit“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Martin Engel erhielt seinen ersten Klavierunterricht im Alter von neun Jahren. Er studierte unter anderem an der Musikhochschule Karlsruhe Klavier und bekam die Abschlussnote „Eins mit Auszeichnung“. Engel besuchte Meisterkurse und gewann Interpretationspreise.

Nicht minder eindrucksvoll waren die Worte Heines, die Burkhard Engel zu Gehör brachte. So sagte der Dichter über Franz Liszt: „Wenn er am Fortepiano sitzt und sich mehrmals das Haar über die Stirne zurückgestrichen hat und zu improvisieren beginnt, dann stürmt er nicht selten allzu toll über die elfenbeinernen Tasten und es erklingt eine Wildnis von himmelhohen Gedanken …“ Über Chopin bemerkte Heine: „Wenn er am Klavier sitzt und improvisiert, ist es mir, als besuche mich ein Landsmann aus der geliebten Heimat und erzähle mir die kuriosesten Dinge, die während meiner Abwesenheit dort passiert sind …“ Beschreibungen bunt schillernder Charaktere, deren gewaltige Schaffenskraft sich in ihren virtuosen Auftritten widerspiegelte. Ähnlich muss es jeder empfinden, der Martin Engel einmal live erlebt hat.

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