Anwohner wollen Rechtsanwalt einschalten „Jetzt muss endlich was passieren“

Burgsteinfurt -

Ein Gestank, als wenn jemand eine Stinkbombe geworfen hat. Und das nicht nur dann und wann, sondern zwei Wochen am Stück. Im Januar sind die Häuslebauer aus dem Spinnerei-Rolinck-Areal das erste Mal auf die Stadt zugegangen. Jetzt ist ihre Geduld am Ende. „Es muss endlich was passieren“, machte ein aufgebrachter Anwohner seinem Ärger in der Sitzung des Planungsausschusses am Dienstag Luft.

Von Axel Roll
 
Der üble Geruch im Spinnerei-Rolinck-Neubaugebiet nervt die Anwohner. Nun stehen Messungen an. Foto: Ralph Schippers

Die von den Faule-Eier-Gerüchen – von denen bislang niemand weiß, wo sie herkommen – geplagten Bürger ziehen juristische Schritte ins Kalkül. Sie wollen das Geruchsgutachten, das im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens erstellt wurde, von einem Anwalt prüfen lassen. So sei der Gutachter nie vor Ort gewesen, haben demnach auch keine Messungen durchgeführt und damit seine Beurteilung vom grünen Tisch aus gemacht.

Stefan Albers als Planungsamtschef im Rathaus ist nach wie vor überzeugt, „dass niemand einen Fehler gemacht hat“, wie er am Dienstag sagte. Bei der Suche nach der Geruchsquelle müssten die Beteiligten noch ein wenig Geduld haben. Egal, woher die Duftwolken kommen, die Stadt muss für die Beseitigung nicht zahlen. Stefan Albers: „Es gibt Verträge.“

Die städtische Pumpstation, die Steinfurter Aa , das neue Rückhaltebecken oder das Misch- und Ausgleichsbecken der Brauerei Rolinck – diese vier Stellen kommen theoretisch für die Müffel-Attacken in Frage. Wobei Albers die beiden erstgenannten fast schon ausschließen möchte.

Bleiben also das Rückhaltebecken und die Brauerei. Planungsausschussmitglied Prof. Dr. Hartmut Hepcke von den Freien Wählern hat das Becken der Stadt in Verdacht, das bei Unwetterregen als Puffer dienen soll. „Es fließt dort aber kein reines Regenwasser, sondern mit Fäkalien verunreinigtes Mischwasser“, erläuterte Hepcke. Was nach Meinung der Verwaltung gegen diese Theorie spricht: Den letzten und bislang einzigen Starkregen hat es am 23. Juni gegeben. Außerdem, ein Raucher aus dem Fachdienst Tiefbau hat es getestet: Der Zigarettenqualm wird vor dem mächtigen Rohr eingesogen und nicht nach draußen gepustet. Stefan Albers: „Es herrscht dort also ein Unterdruck.“

Bliebe also Rolinck? Der Fachdienstleiter betont: „Wir sind immer noch in der Beweisführung.“ Kurzfristig würden Messungen an dem Misch- und Ausgleichsbecken durchgeführt. Die betroffenen Anwohner haben in der Zwischenzeit Mitarbeiter der Rolinck-Brauerei befragt. „Und die haben uns gesagt, dass es hier schon immer gestunken hat“, berichtete einer der neuen Nachbarn den Ausschussmitgliedern.

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