Heute Aktionstag gegen Glücksspielsucht Die Suche nach dem Kick

Borghorst -

Spielsucht als Krankheit ist noch längst nicht in den Köpfen angekommen, sagt Ewald Brinker von der Caritas-Suchtberatung. „Da heißt es immer noch oft ,Hör‘ doch einfach auf!‘“

Von Linda Braunschweig
90 Automaten gab es im Jahr 2014 in Steinfurt. 80 von Spielsucht Betroffene suchen jährlich Hilfe bei der Caritas-Beratung am Kirchplatz.
90 Automaten gab es im Jahr 2014 in Steinfurt. 80 von Spielsucht Betroffene suchen jährlich Hilfe bei der Caritas-Beratung am Kirchplatz. Foto: pixelio_Stihl024

Brinker und seine Kolleginnen Kim Suer und Lisa-Marie Heine wollen mehr Aufmerksamkeit auf das Thema lenken. Deshalb sind sie am heutigen Aktionstag gegen Glücksspielsucht auf dem Borghorster Marktplatz zu finden. Dort werden sie Bürger ansprechen und unter dem Motto „Mach Dich frei davon“ um 12 Uhr Luftballons in den Himmel steigen lassen.

Etwa 80 von Spielsucht Betroffene gehen jährlich in der Caritas-Beratung am Kirchplatz ein und aus. Mit entsprechenden Nachweisen ihres Arztes erhalten sie dort Einzel- und Gruppentherapie. Hilfe suchen kann bei der Caritas aber zunächst mal jeder. Für ein Erstgespräch entstehen keine Kosten, es ist auch keine ärztliche Empfehlung nötig. Alle zwei Wochen trifft sich zudem eine offene Gruppe zu dem Thema, zu der jeder kommen kann.

90 Spielautomaten gab es in 2014 in Steinfurt. Sie zu verbieten, ist aus Brinkers Sicht keine Lösung. Die Spieler suchten sich andere Möglichkeiten, zum Beispiel im Internet, ist auch Lisa-Marie Heine überzeugt. Dort seien Spiele unter anderem per Smartphone schnell und zu jeder Zeit verfügbar.

Spielsucht sei in der ganzen Gesellschaft und in jeder Altersgruppe verbreitet, sagt Brinker. Die noch recht junge Form des Online-Spiels lockt dagegen vor allem Jüngere an. Der Reiz – ganz klar – ist das Gewinnen. Aber auch ein Fast-Gewinn löst im Gehirn schon Glücksgefühle aus, weiß Brinker. „Wer dann noch ein paar mal mit einem Gewinn nach Hause geht, bei dem setzt sich das gute Gefühl schnell fest.“

Die Suche nach dem Kick wird zur Sucht. Immer häufiger verbringen die Spieler ihre Zeit vor den Automaten. „Mancher ist in jeder freien Stunde in der Spielhalle“, so Brinker. „Oder den ganzen Urlaub lang.“

Es sind oft Berufstätige, die die Automaten füttern, denn dafür muss zunächst Geld vorhanden sein. Abwesenheit zu Hause, fehlendes Geld – Konflikte in der Familie und mit dem Partner sind vorprogrammiert. Oft greifen die Süchtigen zu Ausreden – und auch ins Portemonnaie anderer. Existenzängste bei den Betroffenen selbst und auch bei den Angehörigen sind die Folge. Die Betroffenen strengen sich an, um ihre Lage zu verheimlichen. Sie stehen unter Stress. Oft sind es einschneidende Erlebnisse wie eine Kündigung oder die Trennung vom Partner, die zu der Erkenntnis führen, Hilfe zu benötigen. „Ohne Druck von innen oder von außen kommt niemand zu uns“, weiß Brinker.

In den Gruppenstunden geht es auch darum, die eigenen Gefühle zu erkennen und in Worte zu fassen. Eine Aufgabe ist es für die Betroffenen zum Beispiel, zu überlegen, was sie machen würden, wenn ihnen jemand spontan 200 Euro in die Hand drückt. Eine Frage, die Brinker, Suer und Heine am Mittwoch auch den Bürgern in Borghorst stellen wollen.  

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