Hartwig-Ausstellung Einfach zum Verlieben

Steinfurt -

Werke von Emil Bert Hartwig sind seit dem Wochenende im Borghorster Heinrich-Neuy-Museum zu sehen – darunter auch wahre Raritäten wie das einzig von dem 1996 gestorbenen Künstler noch erhaltene Ölgemälde aus der Bauhaus-Zeit „Composition“.

Von Annegret Rose
Herausragendes Werk von Emil Bert Hartwig: „Composition“, das der 1996 gestorbene Künstler im Jahr 1930 schuf, ist im Neu-Museum ebenfalls zu sehen.
Herausragendes Werk von Emil Bert Hartwig: „Composition“, das der 1996 gestorbene Künstler im Jahr 1930 schuf, ist im Neu-Museum ebenfalls zu sehen. Foto: Rose

Man darf sich ruhig verlieben, auch in die Bilder eines Malers. Emil Bert Hartwig hatte seine Wirkungsstätte als Lehrer an der Werkkunstschule Münster . Von seiner Schülerin Christa Anna Terhalle, die ihn aus den Jahren von 1959 bis 1962 kennt, wird er als bescheidener Mensch geschildert. Sie attestiert ihm strahlende Begeisterung, was die Malerei angeht. „Da ging ein Leuchten über sein Gesicht, wenn er sich bestätigt fühlte“, kommentiert sie am Sonntag zur Eröffnung einer Ausstellung mit seinen Werken im Heinrich-Neuy-Bauhaus-Museum.

Das Münsterland bot Hartwig Zuflucht und Heimat, nachdem er als Meisterschüler von Paul Klee aus Düsseldorf vor den Nazis weichen musste. Er wurde unsichtbar. Seine Formensprache, die zunächst stark von Klee beeinflusst war, konnte sich nur schleppend entwickeln. Aber dem Neuy-Museum ist es gelungen, gerade die Werke auszustellen, die diese zunächst zögerliche Entwicklung zeigen. Denn Hartwig hat sich vorsichtig befreit. Dazu spielten die historischen Verhältnisse in den sechziger Jahren eine positive Rolle, wie eine kleine Anekdote belegt. Bevor er auf diese Zeit malerisch reagierte, musste er angeblich seine Schüler fragen, wer denn die Hippies seien. Die Antwort, die er erhielt, übermittelte Kuratorin Dr. Dagmar Kronenberger-Hüffer in ihrer Einführung: „Das sind Menschen, die von der Liebe reden und nicht vom Krieg“. So inspiriert, schaute er hin und setzte seine Wahrnehmung zunehmend in nicht gegenständlichen Arbeiten um.

Zu sehen ist in der Präsentation aber nicht nur die so genannte „Hippie-Serie“ aus den frühen 1970er Jahren. Sie zeigt auch geniale Holzschnitte sowie weitere Werke von verschiedenen Sammlern, vor allem von Arno Piechorowski, mit dem er befreundet war. Und die sind wirklich sensationell, zum Verlieben. Während die Ölgemälde die Nähe zu seiner Ausbildung bei Gunta Stölzl in der Bauhaus-Weberei entdecken lassen, bestechen die Aquarelle durch ihre netzartigen Linien.

Ein Leckerbissen auf dem Weg zum eigenen Ausdruck stellt überdies die Vorkriegsarbeit aus Paris „Composition 1930“ dar. Sie ist das einzige erhaltene Werk aus dieser Zeit.

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Die Ausstellung ist bis zum 15. Januar 2017 im Heinrich-Neuy-Bauhaus-Museum, Kirchplatz 5, in Borghorst zu sehen (Telefon 0 25 52/ 9 95 83 09). Öffnungszeiten: Mi-Fr und So 11 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung.

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