Kreisausschuss trifft Entscheidung Posthume Würdigung

Steinfurt -

Weil der Name „Wirtschaftsschulen“ schon lange nicht mehr das Profil und Ausbildungsspektrum des Berufskollegs mit seinen Standorten in Burgsteinfurt und Emsdetten ausdrückt, bekommt die Schule einen neuen Namen. Ab dem Schuljahr 2017/2018 wird sie „Hermann-Emanuel-Berufskolleg des Kreises Steinfurt“ heißen.

Von Dirk Drunkenmölle
Die Wirtschaftsschulen des Kreises tragen zukünftig den Namen ihres Gründers Hermann Emanuel, dessen Wirken und Tod zugleich an das Schicksal vieler jüdischer Mitbürger in Steinfurt erinnert.
Die Wirtschaftsschulen des Kreises tragen zukünftig den Namen ihres Gründers Hermann Emanuel, dessen Wirken und Tod zugleich an das Schicksal vieler jüdischer Mitbürger in Steinfurt erinnert. Foto: Drunkenmölle

Diesem Vorschlag, den die Schulgemeinschaft unter Einbeziehung von Schulpflegschaft, Lehrerkollegium und Schülervertretung intensiv in den vergangenen Jahren beraten hat, ist der Kreisausschuss in seiner jüngsten Sitzung gefolgt.

Für Denise Diehl war die Änderung seit ihrem Dienstantritt im Jahr 2013 ein besonderes Anliegen. Der Name, so die Schulleiterin in der Begründung des Antrags, hatte nach den Erfahrungen im Schulalltag suggeriert, dass es sich um eine rein kaufmännische Schule handeln würde. Das habe aber nicht mehr der Unterrichtswirklichkeit entsprochen. Inzwischen, so Diehl weiter, ist der Berufsbereich Gesundheit/Erziehung und Soziales dort fast genauso groß vertreten wie der Zweig Wirtschaft und Verwaltung.

Darüber hinaus geht sowohl für Diehl als auch für viele Steinfurter Bürger und insbesondere für die Mitglieder der örtlichen Stolperstein-Initiative ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung, die Schule nach ihrem Gründer zu benennen und damit auch unmittelbare lokalhistorische Bezüge herzustellen. Hermann Emanuel (1869-1942) hat sich, so die Überzeugung der Antragsteller, um die Stadt und sein Bildungswesen verdient gemacht. Er hatte die Schule am 3. Juni 1909 als „Kaufmännische Fortbildungsschule“ in Burgsteinfurt im Auftrag der Stadtverordnetenversammlung eröffnet. Bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 1931 war er ihr Leiter. Den Geschichtsbüchern ist zu entnehmen, dass sich die zunächst kleine Bildungsstätte beständig unter seiner Führung weiter entwickelt hat. Der damalige Bürgermeister Schumann bescheinigte Emanuel in einem Dankesbrief, dass er nie stehen geblieben sei, sondern das Ziel verfolgt habe, „den Anschluss an die Zeit nicht zu verlieren. Das dankt Ihnen neben der Schar Ihrer Schüler Ihre Gemeinde und auch die Stadt.“

Mit dem Namen Hermann Emanuel ist zugleich das Schicksal vieler jüdischer Mitbürger in der Stadt verbunden, deren Religionszugehörigkeit sie im Fortgang der Geschichte in die Deportation und den Tod geführt hat. Wie viele Juden aus der Stadt wurde Hermann Emanuel ins Konzentrationslager nach Theresienstadt gebracht. Dort starb er 1942. Seinen Töchtern gelang noch rechtzeitig die Flucht vor den Nazis. Sie reisten nach Palästina aus. Die Enkeltochter war zuletzt in Burgsteinfurt, als „Stolpersteine“ vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie verlegt wurden. Der Lebensweg und das Schicksal Hermann Emanuels ist sowohl von dem Historiker Willi Feld als auch der Stolperstein-Initiative dokumentiert worden.

Geplant ist, die Umbenennung der Schule im Verlauf eines Festaktes am 13. Juli (Donnerstag) um 11 Uhr im Pädagogischen Zentrum der Schule zu vollziehen. Voraussichtlich, und das freut die Schulgemeinde ganz besonders, werden dazu auch hinterbliebene Familienangehörige Hermann Emanuels aus Israel anreisen.

http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4318365?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686838%2F