Bilanz „Integration Point“ Berufliche Integration dauert lange

Rheine/Kreis Steinfurt -

Die berufliche Eingliederung von Flüchtlingen und Asylbewerbern dauert länger als anfangs angenommen. Das ist eine Erkenntnis nach acht Monaten „Integration Point“ bei der Arbeitsagentur in Rheine.

Von Achim Giersberg
Willkommen: Die beiden Beratungsfachkräfte Nabila Abakar-Kadade und Rabia El Khali (r.) mit Agentur-Chef Hans-Gerhard Gajewski vor dem Eingang zum Anmeldebereich des „Integration Point“ in der Arbeitsagentur Rheine.
Willkommen: Die beiden Beratungsfachkräfte Nabila Abakar-Kadade und Rabia El Khali (r.) mit Agentur-Chef Hans-Gerhard Gajewski vor dem Eingang zum Anmeldebereich des „Integration Point“ in der Arbeitsagentur Rheine. Foto: Achim Giersberg

„Manche würden sich am liebsten an eine Straßenecke stellen und warten bis sie jemand zur Arbeit abholt, so wie sie es von zu Hause kennen“, erzählt Rabia El Khalil . Und ihre Kollegin Nabila Abakar-Kadade berichtet davon, dass einige ihrer Kunden einfach mal ein paar Tage zu Hause blieben, wenn sie das Gefühl hätten, genug gearbeitet zu haben. Doch das seien Ausnahmen, erklärbar mit kulturellen und gesellschaftlichen Unterschieden. Im Großen und Ganzen nähmen die Flüchtlinge das Angebot des „Integration Point“ gerne an, ziehen die beiden Beratungsfachkräfte der Arbeitsagentur Rheine ein positives Fazit nach acht Monaten.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Ulrike Chiei kümmern sich die Beiden derzeit um 622 Menschen – Asylsuchende und Flüchtlinge aus den Krisengebieten Irak, Iran, Syrien, Eritrea und Somalia. Sie alle sind seit mindestens zwölf Monaten hier und haben eine hohe Bleibe-Perspektive. Ihr Asylantrag ist aber noch nicht anerkannt – ab dann wäre nämlich das Jobcenter des Kreises für sie zuständig, erklärt Agentur-Chef Hans-Gerhard Gajewski .

In der Zwischenzeit bemühe sich die Arbeitsagentur, den Menschen in einer „Vorschaltvariante“ eine erste berufliche Perspektive aufzuzeigen, auf die dann später das Jobcenter aufbauen könne. Drei oder sechs Monate dauern solche freiwilligen Berufserkundungskurse, die verschiedene Träger anbieten. Es geht darum, Kontakte herzustellen, Praktika zu absolvieren, auf den „wahren“ Arbeitsmarkt vorzubereiten. Von 800 seit Jahresanfang betreuten Menschen haben acht einen Ausbildungsplatz gefunden, mehr als 20 einen Helfer-Job.

Einfach sei das alles nicht, sagt Gajewski. Die meisten der zu 90 Prozent männlichen Kunden im Alter von 18 bis 35Jahen könnten nur wenig bis gar kein Deutsch – ein Riesenproblem. Denn ohne das Beherrschen der deutschen Sprache sei eine Vermittlung kaum möglich, unterstreicht Nabila Abaka-Kadade. Deutschkurse aber müssten vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge genehmigt werden – immer noch ein „Nadelöhr“. Das Bildungsniveau der Menschen, die sie berate, sei sehr unterschiedlich. Manche verfügten über Schul- und Berufsabschlüsse, die hier anerkannt werden könnten, viele hätten aber auch in ihrer Heimat kaum eine Schule besucht.

Gajewski warnt deshalb vor der Illusion, diese Menschen seien schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Zwei Jahre müsse man für diesen Prozess schon rechnen, mindestens: „Das dauer alles viel länger, als man anfangs dachte“. Geduld sei gefragt, auch bei den Flüchtlingen, die meistens gedacht hätten, viel leichter und schneller Arbeit zu finden.

Wer sich für die Betreuung durch den Integration Point eigne, hänge von der Einschätzung der Sozialämter in den Städten und Gemeinden ab, erläutert El Khali das Verfahren. Mittlerweile kämen aber auch viele Anfragen von den Flüchtlingen selbst, bei denen sich das Angebot herumgesprochen habe. Agentur-Chef Gajewski freut sich über die gute Zusammenarbeit vor allem mit den größeren Sozialämtern, beklagt aber auch, dass die Bereitschaft zur Zusammenarbeit „sehr unterschiedlich“ sei.

Noch reiche die Kapazität des Integration Point aus. Das könne sich aber schnell ändern, wenn auch die Gruppe der geduldeten Flüchtlinge, deren Abschiebung nicht realisierbar sei, in das Betreuungssystem einbezogen werde.

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