Theateraktion Jeder ist sein eigener König

Saerbeck -

Die Fotos zeigen eine bemerkenswerte Veränderung. An der Haltestelle in Saerbeck steht eine ganz normal wirkende Gruppe junger Menschen um die Theaterpädagogin Simone Lamski herum und wartet auf den Bus nach Münster.

Von Alfred Riese
Vorher sahen die jungen Flüchtlinge und Theaterpädagogin Simone Lamski wie eine normale Busfahrergruppe aus (kl. Bild). Und nachher zeigte sich, was ein Theaterbesuch und ein kleiner Workshop für Veränderungen bringen können.
Vorher sahen die jungen Flüchtlinge und Theaterpädagogin Simone Lamski wie eine normale Busfahrergruppe aus (kl. Bild). Und nachher zeigte sich, was ein Theaterbesuch und ein kleiner Workshop für Veränderungen bringen können. Foto: privat

Nach dem Besuch im Theater und ein paar Stunden im Workshop steht eine selbstbewusste Truppe auf der Bühne und zeigt, was ein Ergebnis des Tages ist: ihre eigene Interpretation des kurz zuvor gesehenen Stücks.

Dieser Theatertag für junge Flüchtlinge war eine Aktion der Kolpingsfamilie, organisiert von Simone Lamski. Sie hatte bereits 2016 das große Theaterprojekt „Freiheit“ mit Flüchtlingen auf die Beine gestellt und sorgte jetzt für günstige Eintrittskarten ins Große Haus des Theaters Münster und anschließend für den Workshop im Theaterpädagogischen Zentrum am Bahnhof. In der Bürgerscheune bereitete sie zuvor die jungen Flüchtlingen, die auch schon beim Projekt „Freiheit“ mitgewirkt und einer Nachfolgeveranstaltung entgegen gefiebert hatten, auf die Aufführung von „König Drosselbart“ vor. Ein Detail, das anschließend an der Bushaltestelle auftauchte: Für zwei der 14 Flüchtlinge im Alter zwischen sieben und 17 Jahren war die Fahrt der erste Kontakt mit dem öffentlichen Personen-Nahverkehr.

Im Theater beobachtete Simone Lamski, dass ihre Gruppe „großen Respekt vor der Leistung der Schauspieler hatte, nachdem alle selbst schon einmal auf der Bühne gestanden hatten“. Ein Höhepunkt für die jungen Leute: Fotos mit den Schauspielern im Foyer, wo zugleich für ähnliche Aktionen Spenden gesammelt wurden. „Es ist ein aktives, kulturelles Erleben und man lacht an den gleichen Stellen“, schilderte Simone Lamski den ersten Teil des Tags.

Im Theaterpädagogischen Zentrum zeigte sich nach ihrer Schilderung, dass das Theater kulturübergreifende Szenen und Themen bot und genug Anknüpfungspunkte, dass die jungen Flüchtlinge ihrer eigene, improvisierte Interpretation des Stoffs auf die Bühne bringen konnten. Das Motiv im Vordergrund dabei: Jeder ist sein eigener König. Und die Heldin war plötzlich die Zofe. „Flüchtlinge sind Teil der Gesellschaft, wenn sie im Theater sind oder Theater spielen“ fasste Simone Lamski den Wert der acht Stunden Theater-Tag zusammen.

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