Kettenträger-Empfang im Rathaus Lob und eine kleine Verschnupfung

Saerbeck -

Ganz so harmonisch wie üblich war er nicht, der Empfang der Schützenvereins-Majestäten 2016 im Rathaus. Bürgermeister Roos musste sich manche Nachfrage wegen seines Votums zum Antrag der Bürgerschützen in der jüngsten Ratssitzung gefallen lassen – und lieferte eine interessante Begründung für seine Meinung.

Von Alfred Riese
Saerbeck ist König-reich: Das zeigte sich einmal mehr beim Empfang der Majestäten 2016 durch Bürgermeister Wilfried Roos (Mitte, ohne Kette).
Saerbeck ist König-reich: Das zeigte sich einmal mehr beim Empfang der Majestäten 2016 durch Bürgermeister Wilfried Roos (Mitte, ohne Kette). Foto: Alfred Riese

Nein, die offizielle Amtskette des Bürgermeisters legte Wilfried Roos beim jährlichen Empfang der Schützen-Majestäten im Rathaus nicht an. Soweit ging er nicht, um Verbundenheit mit den „Kettenträgern“ zu demonstrieren. Aber mit Engelszunge sprach er, um am Freitagabend vor den Vertretern der vier Saerbecker Schützenvereine sein „Nein“ im Rat zu einem Antrag des Bürgerschützenvereins Saerbeck-Dorf zu erklären.

Regelmäßig lobe der Bürgermeister die Schützenvereine, zitierte Roos Ratsherr Geisemann ( CDU ) aus der jüngsten Sitzung. Dann schlage er aber als Verwaltungschef vor, die Dorf-Schützen entgegen deren Antrag aus der Liste kulturell tätiger Vereine herauszuhalten und damit von – wenn auch nur geringen – Zuschüssen auszuschließen.

Der gescheiterte Beschlussvorschlag aus dem Bürgermeisterbüro lässt sich so lesen, als ob tatsächlich kein Schützenverein in diese Kulturliste gehört. Vor den versammelten Schützenvorständen plädierte Roos für eine andere, gegenteilige Interpretation. Die Verwaltung habe die Politik darauf hinweisen wollen: Entweder alle vier Vereine aufnehmen oder keinen. Nachdem der BSV Dorf mit breiter Ratsmehrheit aufgenommen wurde, warte er auf die weiteren Anträge, lud Roos ein. Die Vorsitzenden kündigten während des lockeren Teils des Empfangs genau das an. „Der Antrag kommt“, sagten wortgleich Markus Winkeljann ( Westladbergen ) und Reinhard Renger (Dorfbauerschaft-Middendorf). Andreas Puckert (Sinningen) meldete „ist in Arbeit“.

Die Sinninger waren im Jahr 2008 mit einem solchen Antrag noch gescheitert, die Dorfbauern 2002. Basis für diese Beschlüsse wie auch für den jüngsten Vorschlag der Verwaltung zum Antrag der Dorfschützen sei eine Förderrichtlinie aus dem Jahr 1979, bemühte sich Bürgermeister Roos zu erklären. Damals seien die Schützenvereine und auch der Kirchenchor St. Georg außen vor gelassen worden. „Ich habe gegen den Antrag gestimmt. Aber nicht etwa, weil die Schützenvereine nicht kulturell tätig sind, sondern wegen der Gleichbehandlung“, so Roos. Mit der Aufnahme und Zuschüssen von einem Euro je erwachsenem Mitglied werde nun auf zusätzliche Art „deutlich gemacht, dass die Schützenvereine sich in ganz besonderem Maß um Brauchtum, Heimatpflege, die Fortführung von Traditionen und damit um Kultur verdient machen“.

Der jährliche Empfang der Schützen-Majestäten durch Bürgermeister und Ratsmitglieder im Rathaus wird reihum von jeweils einem Verein organisiert, dieses Mal von den Westladberge­nern. Die Gemeinde spendiert das erste Fass Bier.

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