Gemeinderat hält Grabreden auf das Nahwärme-Projekt / Bürgermeister kündigt Alternative an Beerdigung im Ratssaal

Saerbeck -

Das Nahwärme-Projekt mit zentraler Versorgung aus der Abwärme von Anlagen im Bioenergiepark ist offiziell beerdigt. Der Gemeinderat sprach sich jetzt einstimmig dafür aus, auf Fördermittel zu verzichten, die Saerbeck als Sieger eines Landeswettbewerbs und „KWK-Modellkommune“ zustehen

Von Alfred Riese
Ein Fall für den Papierkorb ist das Faltblatt, mit dem die „KWK-Modellkommune“ Saerbeck im Herbst 2015 um Interessensbekundungen für einen Nahwärmeanschluss bat.
Ein Fall für den Papierkorb ist das Faltblatt, mit dem die „KWK-Modellkommune“ Saerbeck im Herbst 2015 um Interessensbekundungen für einen Nahwärmeanschluss bat. Foto: Alfred Riese

Das Nahwärme-Projekt mit zentraler Versorgung aus der Abwärme von Anlagen im Bioenergiepark ist offiziell beerdigt. Der Gemeinderat sprach sich jetzt einstimmig dafür aus, auf Fördermittel zu verzichten, die Saerbeck als Sieger eines Landeswettbewerbs und „KWK-Modellkommune“ zustehen.

Auch angesichts einer Förderquote von 90 Prozent rechnet sich das Vorhaben nicht, hatte Bürgermeister Wilfried Roos im vorangegangenen Planungsausschuss festgestellt. Bei der Frage „Was nun?“ gingen die Meinungen im Rat teilweise auseinander. Die CDU verlangte eine Verschiebung der Prioritäten hin zum schnellen Ausbau unter anderem der Lindenstraße, der Entwicklung von Neubaugebieten und der Erneuerung von Infrastruktur im Dorfkern.

Die UWG will den Ausbau der Lindenstraße und der Buckelpiste am Kirchplatz jetzt endlich rasch angehen.

Dem neuen Vorschlag des Bürgermeisters, Saerbecker Hausbesitzern kleinteilige, vielleicht genossenschaftlich organisierte Nahwärme-Nester mit Eigenverbrauch des gleichzeitig in den Mini-Blockheizkraftwerken erzeugten Stroms anzubieten, stellte sich im Rat niemand ernsthaft in den Weg. Laut Roos arbeitet die Gelsenwasser AG, Projektpartner der Gemeinde in Sachen Nahwärme und für 20 Jahre Inhaber der Gas-Konzession im Dorf, bereits an diesem Konzept – das Unternehmen hat in Saerbeck bereits einiges in das Thema alternative Wärmeversorgung investiert. Auch Prof. Christoph Wetter von der FH Münster ist Roos zufolge dabei.

An die Öffentlichkeit treten will man damit allerdings erst, wenn ein solches Konzept „Hand und Fuß hat“ und die Wirtschaftlichkeit feststeht, stellte Roos klar. Die betriebswirtschaftliche Verantwortbarkeit und die Praxistauglichkeit definierte Bernd Willebrandt (CDU) als entscheidende Kriterien.

Hubert Geisemann (CDU) blieb skeptisch bei der Frage der Auslastung der Blockheizkraftwerke und forderte, auf jeden Fall ein Modell-Wärmenest einem Praxistest zu unterziehen.

Dem schloss sich Bürgermeister Roos in fast allen Punkten an. Er hielt allerdings vehement daran fest, dass es für Saerbecker ein Angebot für Wärmeversorgung geben soll, das jenseits individueller Heizanlagen und fossiler Energieträger liegt. „Darauf wartet man“, war er überzeugt. Mit Blick auf einen Vorschlag von Jost Sträter (Grüne) und die mehrere hundert Interessenten am beerdigten KWK-Projekt kündigte Roos an, den Saerbeckern bei einem Informationsabend zu erklären, warum es damit nichts geworden ist – und vielleicht dann schon die Alternative vorzustellen, auch um mit einer neuen dorfweiten Bedarfsermittlung zu beginnen. „Wichtig ist für mich, dass wir jetzt nicht sagen: Klappe zu, Affe tot“, sagte er, „aber nicht noch einmal halbgare Sachen“.

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