Wenn dir das Lachen vergeht: Wie Willibert Pauels den schwarzen Hund an die Leine legte Lebensbeichte eines frommen Narren

Saerbeck -

Bodenständig wie Don Camillo, verschmitzt wie Pater Brown erzählte Diaclown Willibert Pauels in der berstend vollen Bürgerscheune himmlisch-irdische Geschichten über die Menschen, die Religion und die Leichtigkeit des Seins. Er mixt Heiliges und Profanes, gibt aber auch tiefe Einblicke in seine Seele, wenn er von seinem Kampf gegen die Depression erzählt, die ihn anfiel wie ein schwarzer Hund.

Von Hans Lüttmann
Der Gottesmann als Narr:  Willibert Pauels ist ein genialer Verkäufer des höheren Blödsinns, ein Diaclown, der auf der Bühne den Karnevalsjeck gibt, aber auch offen über seine Depression, „meinen schwarzen Hund“, spricht.
Der Gottesmann als Narr:  Willibert Pauels ist ein genialer Verkäufer des höheren Blödsinns, ein Diaclown, der auf der Bühne den Karnevalsjeck gibt, aber auch offen über seine Depression, „meinen schwarzen Hund“, spricht. Foto: Hans Lüttmann

Nee, wat war dat schön: Bodenständig wie Don Camillo , verschmitzt wie Pater Brown erzählte Diaclown Willibert Pauels in der berstend vollen Bürgerscheune himmlisch-irdische Geschichten über die Menschen, die Religion und die Leichtigkeit des Seins. Er mixt Heiliges und Profanes, gibt aber auch tiefe Einblicke in seine Seele, wenn er von seinem Kampf gegen die Depression erzählt, die ihn anfiel wie ein schwarzer Hund.

17 Jahre lang stand er als gefeierter Star in der Bütt und absolvierte als Profi im knallharten Karnevalsgeschäft rund 250 Auftritte, bis zu achtmal an einem Tag.

Bis ihm von heute auf morgen das Lachen verging und ihm die Depressions-Bestie derart zusetzte, dass er der Bühne den Rücken kehren musste. „Wenn dir das Lachen vergeht“, heißt auch der Titel seiner 254-seitigen Lebensbeichte. Hilfe suchte er in einer Neusser Klinik. Mit Erfolg. Zwar ist der böse Vierbeiner nicht einfach verschwunden. Aber Pauels hat ihn einigermaßen gezähmt und an die Leine gelegt.

Da steht er nun, ohne Bütt und ohne große Deko, rotes T-Shirt, rote Clownsnase, Lederweste und Hütchen und haut mit göttlichem Humor einen Spruch nach dem anderen raus. Und das Publikum in der Bürgerscheune liegt ihm schon – vor Lachen – nach wenigen Sätzen zu Füßen. Auch wenn er die Westfalen erstmal in diese Schublade steckt: „Wenn man im Rheinland über Tische und Bänke geht, ist das normal; in Westfalen wird das stationär behandelt.“

Aber Moment mal, ein Gottesmann als Narr, geht das überhaupt? „Ach“, sagt er, „vielen gefällt das nicht, und sie haben auch empörte Briefe geschrieben an den Kanalmeister (wie Pauels den ehemaligen Kardinal Meisner nennt).“ Sogar von Gotteslästerung sei da die Rede, und überhaupt gehöre ein Geistlicher nicht in die sündige Welt des Karnevals . Pauels Antwort: „Wenn die Leidenschschaft zur Tür hereinkommt, rettet sich der Verstand zum Fenster raus.“ Und was ist, zum Beispiel , an dieser Erkenntnis gotteslästerlich? „Die richtig spannenden Sachen sind für einen Diakon tabu, aber dafür dürfen wir spannende Sachen machen, die einem Priester nicht erlaubt sind.“

Und Pauels zeigt glasklare Kante, wenn es um die Religion geht: „Wenn eine Religion gesund ist, dann fordert sie das Lachen ein“, sagt er mit Nachdruck und verurteilt im nächsten Satz die Islamisten, „deren Gott ein Blut saufendes Monster ist“.

Pauels kann auch Philosoph und hohe Literatur, zitiert den alten Epiktet, Umberto Eco und Rilkes Panther-Gedicht. („Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält. Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt.“)

Für Nichtbetroffene ist es oft schwer nachzuvollziehen, was überhaupt in einem Depressiven vor sich geht. Pauels findet Worte für sein Innenleben, spricht von Antriebslosigkeit und Grübelzwang, von Attacken grundloser und irrationaler Angst, die ihn nachts plötzlich bedrohen – wie die Dementoren in den Harry-Potter-Büchern, die einem die Seele aussaugen wollen. Aber, und das ist die wichtigste Botschaft dieses Abends: Man kann den schwarzen Hund auch zähmen. Und das Lachen wiederfinden: „Wer lacht, vertreibt die Angst vor dem Tod, und der Mensch bekommt eine Ahnung vom Paradies. Nee, wat war dat schön!“

http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4344273?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686837%2F