Saerbecker haltn am alten münsterländischen Brauch des Lambertussingens fest „Juchheißavivat Kiärmes-Hei“

Saerbeck -

Rund 60 Kinder und fast so viele Eltern und Großeltern machten mit, steckten ihre Laternen zwischen die Maispflanzen und Blumen folgten der Akkordeonmusik unter anderem bei Geburtsmonatslied „Und wer im Januar geboren ist…“ – eine bewegte Sache, bei der allerdings auffiel, dass die Frauenstimmen deutlich dominierten, während die jüngeren und älteren Herren sind in Zurückhaltung übten.

Von Alfred Riese
Erwischt: Der Kirmesbauer oder Buer sucht sich Strophe für Strophe ’ne Frau, ’n Kind, ’ne Magd, ’nen Knecht, ’nen Rüen, ’nen Knuocken und ’nen Pottlecker aus dem Kreis der Lambertussänger um die geschmückte Erntepyramide.
Erwischt: Der Kirmesbauer oder Buer sucht sich Strophe für Strophe ’ne Frau, ’n Kind, ’ne Magd, ’nen Knecht, ’nen Rüen, ’nen Knuocken und ’nen Pottlecker aus dem Kreis der Lambertussänger um die geschmückte Erntepyramide. Foto: Alfred Riese

Die „Dumme Liese“, das sind zwei Kreise, einer mit Jungen und Männern, einer mit Mädchen und Frauen. Sie singen vom Wasser holen und vom Loch im Pott und dem trockenen Schleifstein, für den es Wasser braucht – womit sich das Lied genauso im Kreis dreht wie die Singenden. Die „Dumme Liese“ gehört zum Inventar des münsterländischen Brauchtums des Lambertussingens und war auch zu hören, als der Kinderwortgottesdienstkreis der St.-Georg-Pfarrgemeinde am Freitag auf dem Dorfplatz zum Ringelreihen um die Erntepyramide lud.

Rund 60 Kinder und fast so viele Eltern und Großeltern machten mit, steckten ihre Laternen zwischen die Maispflanzen, und Blumen folgten der Akkordeonmusik unter anderem beim Geburtsmonatslied „Und wer im Januar geboren ist…“ – eine bewegte Sache, bei der allerdings auffiel, dass die Frauenstimmen deutlich dominierten, während die jüngeren und älteren Herren sich in Zurückhaltung übten.

Schluss- und Höhepunkt der rund 25-minütigen Brauchtumspflege war das plattdeutsche „O Buer , wat kost´dien Hei“, bei dem das „Hei“ (Heu) „viell to düer“ (viel zu teuer) ist, worauf der Bauer sich im Wechselgesang mit dem Kreis der Teilnehmer unter viel „Juchheißavivat Kiärmes…“ Strophe für Strophe eine Familie nebst Haushaltsausstattung für die Kirmes zusammensucht: ´ne Frau, ´n Kind, ’ne Magd, ´ nen Knecht , ´nen Rüen und so weiter. Damit hätten die Kinder denn auch mal gesungenes Plattdeutsch gehört und ihre Laternen für St. Martin getestet. Die Äpfel direkt vom Baum aus dem Weidenkorb schmeckten am Ende offensichtlich gut.

Ausgangspunkt des Lambertussingen-Brauchtums im Münsterland könnte vor Jahrhunderten das Lambertus-Patrozinium in der diesem Heiligen geweihten Stadt- und Marktkirche von Münster gewesen sein. Es bezöge sich dann auf Lambert von Lüttich, Bischof von Maastricht im siebten Jahrhundert und Märtyrer. Mit Blick auf die Laternen wird der Brauch auch als früheres Lichterfest von münsterischen Handwerkern eingeordnet, die im September in ihren Werkstätten wegen der kürzer werdenden Tage allmählich die Kerzen anzünden mussten. Verbreitet ist das Lambertussingen fast ausschließlich im Münsterland.

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