Berliner Philharmoniker im Kino Kirill Petrenkos Pläne

Münster/Berlin -

Eigentlich sind die Pauseninterviews der Berliner Philharmoniker ja Lückenfüller für ihre Konzertübertragungen. Als aber der künftige Chefdirigent Kirill Petrenko sich am Freitag zu seinen Plänen äußerte, war das deutlich mehr: An den Programmen seines Ahnherren Wilhelm Furtwängler will er sich orientieren, Komponisten wie Hartmann und Hindemith stärker ins Bewusstsein rücken, erfuhren die Zuhörer bei der Kino-Übertragung im Schlosstheater. Kein Zweifel: Der Nachfolger Sir Simon Rattles hat klare Vorstellungen vom Profil des Orchesters.

Von Harald Suerland
Kirill Petrenko
Kirill Petrenko Foto: dpa

Auch das Konzertprogramm, mit dem er jetzt noch als Gast in Berlin auftrat, kündete davon: Die vorgestellten Orchesterwerke von Paul Dukas und Franz Schmidt sind nahezu unbekannt und lockten auch keine riesige Schar ins Kino. Aber es waren faszinierende Begegnungen: Die Raffinesse von Dukas’ „La Péri“ erinnerte bisweilen an seinen Landsmann Debussy, und das „Wiener Schmidtsel“, wie Orchester-Hauspoet Klaus Wallendorf in seiner Moderation scherzte, war ein bewegender einsätziger Abschied vom 19. Jahrhundert, entstanden allerdings erst 1933. Dazwischen gab es grandiose Unterhaltung mit der quirligen Virtuosin Yuja Wang in Prokofjews drittem Klavierkonzert. Die Begeisterung des Berliner Publikums übertrug sich – trotz kleiner Tonausfälle während der gesamten Übertragung – auch auf das Publikum in Münster. Man darf hoffen, dass die Philharmonie-Technik das in den Griff bekommt, wenn am 20. Juni das Abschiedskonzert von Sir Simon übertragen wird.

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