Pro & Contra Soll ein Mahnmal an die Amokfahrt erinnern?

Münster -

Was kommt nach den Blumen und Kerzen? Sollte mit einem Mahnmal an die Amokfahrt am Kiepenkerl erinnert werden? Unser Pro und Contra beleuchtet beide Seiten.

Pro & Contra: Soll ein Mahnmal an die Amokfahrt erinnern?
Soll ein Mahnmal auf dem Platz vor den Kiepenkerl-Gaststätten an die Amokfahrt vom 7. April erinnern? Foto: Gunnar A. Pier

Pro: Ausdruck tiefer Trauer

Das furchtbare Geschehen am Kiepenkerl hat diese Stadt zu tief getroffen, als dass eine bloße Notiz in der Stadtchronik angemessen wäre. An diesen Samstagnachmittag im April wird sich Münster noch in vielen Jahrzehnten erinnern: Da ist es wichtig, die Erinnerung weder dem Zufall noch der Spekulation zu überlassen – oder sie gar zu verbergen.

Ein Mahnmal wäre gewissermaßen eine Fortsetzung der zahlreichen Blumen, Kerzen und Erinnerungsstücke, mit denen viele Menschen in den Tagen nach der Tat ihrer tiefen Trauer Ausdruck verliehen haben. Dieses starke Bedürfnis verblasst nicht so schnell; wie sich etwa an den vielen Kreuzen, die überall im Stadtgebiet an die Opfer von Verkehrsunfällen erinnern, erkennen lässt.

Wie ein solches Mahnmal aussehen könnte, wer es stiftet und wo es aufgestellt oder angebracht wird – diese Frage sollte allerdings in aller Ruhe und gründlich diskutiert werden. Viele Formen der Erinnerung sind denkbar: Von einem knappen Text mit Schilderung des Geschehens bis zum schlichten Gedenkspruch, einem Kunstobjekt oder gar einem QR-Code, der zu einer Gedenkseite im Internet führt, gibt es heute viele Möglichkeiten. Auf keinen Fall geht es darum, eine schreckliche Tat durch Aufmerksamkeit aufzuwerten – sondern der Opfer zu gedenken und der Trauer einen Anhaltspunkt zu geben. Ein einfühlsam gestaltetes Mahnmal wird daran keinen Zweifel lassen. Lukas Speckmann

Contra: Besser Kein Denkmal

Die schreckliche Tat in der münsterischen Innenstadt liegt eine Woche zurück. Diese Bilder und Geräusche bleiben in den Köpfen der Menschen und werden dort nicht verblassen. Da braucht es bestimmt kein Denkmal, keine Plakette und keine Tafel, um an die Amokfahrt am vergangenen Samstag zu erinnern.

Im Gegenteil, die Familien der Opfer, die Verletzten und die vielen Menschen, die das grauenvolle Geschehen direkt miterlebt haben, die die Sinnlosigkeit dahinter bis heute nicht begreifen, fragen sich, warum es unschuldige Menschen getroffen hat. Alle werden lange damit zu tun haben, dieses Ereignis zu verarbeiten und sich von den Gedanken daran zu trennen. Loslassen und vergessen – so einfach ist das nicht. Die Wunde sitzt tief.

Eine gute Lösung für den Kiepenkerl-Platz wäre es darum, den Ort so zu belassen, wie er bisher immer war, als Treffpunkt für Münsteraner und für Gäste –  eine kleine Oase inmitten der Innenstadt. Mit einer Plakette dem Täter ein Denkmal zu setzen, wäre falsch, denn das könnte vielleicht ein Ziel gewesen sein. Unvergessen bleiben die schrecklichen Erlebnisse ohnehin. Menschen sind eben keine Maschinen, die per Knopfdruck ihr Gedächtnis an- und abschalten können, wann immer sie es wollen. Die Eindrücke dieser sinnlosen Tat müssen verarbeitet werden. Dazu trägt auch bei, an den Ort zurückzukehren und sich auf eine Begegnung mit der jetzt trügerischen Idylle einzulassen. Gabriele Hillmoth

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