Interview zum Sendbeginn Ein offenes Volksfest für alle

Münster -

Zum Auftakt des Sendbeginns erläutert Schaustellerchef Fritz Heitmann den Sinn der verstärkten Sicherheitskontrollen und sagt auch, warum ein verkaufsoffener Sonntag den Send bereichern kann.

Von Helmut Etzkorn
Fritz Heitmann ist seit mehr als 25 Jahren Chef der Schausteller. Trotz Sicherheitsauflagen und der Absage des verkaufsoffenen Sonntags sieht er für den Send eine gute Zukunft.
Fritz Heitmann ist seit mehr als 25 Jahren Chef der Schausteller. Trotz Sicherheitsauflagen und der Absage des verkaufsoffenen Sonntags sieht er für den Send eine gute Zukunft. Foto: Etzkorn

Höhere Sicherheitsauflagen für Volksfeste , weil der Terror Deutschland erreicht hat. Gerangel um den verkaufsoffenen Send-Sonntag und der Spagat, trotz höherem Aufwand für die millionenschweren Fahrgeschäfte einen familienfreundlichen und bezahlbaren Send für alle Altersgruppen zu organisieren. Bei Fritz Heitmann , Vorsitzender des Schaustellerverbandes Münster-Münsterland, ist trotz oder vielleicht gerade wegen der neuen Herausforderungen das Feuer der Begeisterung für die größte Münsterland-Kirmes noch lange nicht erloschen. Redakteur Helmut P. Etzkorn sprach mit dem 67-jährigen Schausteller.

Stichwort Sicherheit. Muss der Send-Besucher damit rechnen, von Kontrolleuren gefilzt zu werden, ehe er zu Riesenrad und Losbude gehen darf?

Heitmann: Nein, ganz sicher nicht. Es wird kein Abtasten wie bei einem Preußen-Spiel geben, und wir mauern uns auch nicht mit einem Zaun rund um den Schlossplatz ein. Wir sind ein offenes Volksfest für alle und keine geschlossene Veranstaltung. Und das wollen wir auch trotz erhöhter Sicherheitsauflagen bleiben.

Aber mehr Kontrollen wird es schon geben?

Heitmann: Das machen wir schon im Interesse der vielen Besucher, die sich mit ihren Familien auf dem Send weiterhin sicher fühlen wollen. Und deshalb haben wir ja auch die Bitte, Rucksäcke gar nicht erst mit zum Send zu nehmen. So kann jeder dazu beitragen, das jeder hier ein gutes Gefühl hat, wenn er die Kirmes genießen will. Solche Maßnahmen sind auch nicht neu. Nach den Anschlägen beim Oktoberfest und in New York haben wir ebenfalls die Sicherheit erhöht.

Den verkaufsoffenen Sonntag wird es nun während des am Samstag beginnenden Herbst-Sends nicht geben. Bedauern Sie das?

Heitmann: Der Ursprung des Sends kommt ja aus dem lokalen Marktwesen, und unsere Kirmes ist ein gewachsenes Volksfest. Deshalb gehört die Kaufmannschaft ja traditionsgemäß auch irgendwie zum Send. Natürlich gibt es Besucherströme aus der Stadt zum Schlossplatz und zurück. Mehr als drei Stunden bleibt in der Regel kaum jemand hier bei uns auf der Kirmes. Deshalb ist es schade, dass die Geschäftsöffnung abgesagt werden musste.

Führt die Absage des verkaufsoffenen Sonntags auch bei den Schaustellern zu finanziellen Einbußen?

Heitmann: Ja. An einem Top-Sonntag kommen 80 000 Besucher, viele davon bis zu 100 Kilometer entfernt aus dem Umland. Auch wenn es keine konkreten Erhebungen gibt, glauben wir schon, dass ohne die zeitgleiche und attraktive Sonntags-Öffnung weniger Menschen zum Send kommen. Aber unter dem Strich profitieren die Kaufleute mehr vom Send, als der Send von der offenen Innenstadt.

Bei Umfragen wird immer wieder angeregt, ein großes Partyzelt aufzustellen. Andere Kirmes-Veranstalter machen das ja inzwischen auch. Der Vorplatz zum Schloss würde sich dafür doch eignen?

Heitmann: Ein passendes Gelände würde sich vielleicht finden, aber wir wollen ganz bewusst kein großes Vergnügungszelt aufstellen. Der Send hat sich als Volksfest für die ganze Familie bewährt und wir möchten gar kein Massenbesäufnis unter der Zeltplane. Früher hatten wir hier auf dem Rummelplatz Ärger mit betrunkenen Jugendlichen. Das Problem ist durch das Verbot, Alkohol mitzubringen, längst abgestellt. Und rund um die Autoscooter-Fahrgeschäfte gibt es auch keine gepolsterten Sitzgelegenheiten mehr. Unser Send ist deshalb so attraktiv, weil es kaum Randale, aber viel Vergnügen gibt.

Moderne Fahrgeschäfte kosten bis zu vier Millionen Euro. Finden sich überhaupt noch Investoren in Zeiten, wo Volksfeste als potenzielle Tatorte für Anschläge eingestuft werden und manche Veranstaltungen schon gar nicht mehr stattfinden?

Heitmann: Wir Schausteller überleben solche Zeiten, weil es sich um erfahrene Familien handelt, die seit Generationen auf den Plätzen unterwegs sind. Da macht man alle Höhen und Tiefen mit. Unter dem Strich aber denkt kaum einer daran aufzuhören. Auch dann nicht, wenn es mal wieder etwas schwierigere Zeiten sind. Allerdings rechnet sich der Send auch nur, weil es Attraktionen für alle Altersgruppen gibt. Die Begeisterung für die Kirmes prägt sich im Kindesalter. Mit dem Slogan „Immer toller, höher, schneller und größer“ erreichen wir vielleicht die 14- bis 22-Jährigen. Alle anderen aber nicht. Deshalb muss auch Bekanntes und Bewährtes für die Älteren verlässlich vorhanden sein. Nur deshalb haben wir so viele Stammbesucher. Und Kinder, die Spaß haben, stellen auch die Eltern zufrieden. Darum gibt es Kasperle, Orgel und Kinderzirkus beim Send in Münster .

Haben sich die Zehntage-Veranstaltungen im Frühjahr und Herbst bewährt?

Heitmann: Auf jeden Fall. Es ist uns gelungen, die Besucherzahl auf über eine Million im Jahr zu steigern. Die Masse der Bewerber auf einen Standplatz liegt jährlich bei 1400 bis 2000. Münster ist attraktiv, und weil die Qualität stimmt, haben wir aktuell keine Bauchschmerzen. Der Schlossplatz ist ideal und soll ja auch dann, wenn er wirklich mal umgestaltet werden sollte, uns Schaustellern weiter zur Verfügung stehen. Alle Umfragen dokumentieren eindeutig, dass der Bürger das auch so möchte.

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