Verkaufsoffene Sonntage Die Lage der Angestellten

Münster -

Nicht nur Gewerkschaft Verdi, Politik und Kaufmannschaft diskutieren über verkaufsoffene Sonntage, auch die Beschäftigten im Einzelhandel haben ihre Meinung. Sie sprechen über Verdienstmöglichkeiten im Handel und über Sonntagszuschläge.

Von Gabriele Hillmoth
Das Thema verkaufsoffene Sonntag wird derzeit innerhalb der Beschäftigten im Einzelhandel diskutiert. Fest steht, einen verkaufsoffenen Sonntag wie im vergangenen Jahr wird es im Advent dieses Jahr nicht geben.
Das Thema verkaufsoffene Sonntag wird derzeit innerhalb der Beschäftigten im Einzelhandel diskutiert. Fest steht, einen verkaufsoffenen Sonntag wie im vergangenen Jahr wird es im Advent dieses Jahr nicht geben. Foto: Matthias Ahlke

Die gestrichenen verkaufsoffenen Sonntage in Münster sind auch Gesprächsthema innerhalb der Belegschaften in den Betrieben. Die Reaktionen der Mitarbeiter sind unterschiedlich. Es gibt Beschäftigte, die freuen sich, dass sie an diesem Tag frei haben werden. Andere bedauern, dass die Türen der Geschäfte am zweiten Adventssonntag geschlossen bleiben. „Manche haben mit dem zusätzlichen Geld an diesem Sonntag gerechnet“, heißt es.

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Verdi geht gegen verkaufsoffene Sonntage vor

Verdienst der Teilzeitbeschäftigten liegt im Durchschnitt bei rund 1515 Euro brutto

Annegret Schüring, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates bei Sinn-Leffers und Vorsitzende des Gremiums auch in Münster , ist seit über 40 Jahren im Einzelhandel tätig. Sie kennt die Verdienstmöglichkeiten im Handel. Die meisten Beschäftigten, sagt Schüring, haben Teilzeitverträge zwischen 80 und 100 Stunden. Der Verdienst als Vollzeitkraft im Einzelhandel liegt nach Angaben von Annegret Schüring laut Tarifvertrag bei 163 Stunden pro Monat bei 2471 Euro brutto. Der Verdienst der Teilzeitbeschäftigten liegt dagegen im Durchschnitt bei rund 1515 Euro brutto.

Zuschläge

Wer an einem verkaufsoffenen Sonntag arbeitet, der bekommt für jede der fünf Stunden jeweils einen 120-prozentigen Aufschlag und damit etwa 18 Euro pro Stunde zusätzlich zu seinem Stundenlohn von etwa 15 Euro brutto, sagt die Betriebsratsvorsitzende von Sinn-Leffers. Die Zuschläge müssen ausgezahlt und dürfen nicht mit Freizeit abgegolten werden.

Karstadt : Freizeit oder Lohn

Bei Karstadt dagegen haben die Mitarbeiter die Wahl zwischen Freizeit oder Lohn, sagt der Vorsitzende des Betriebsrates, Peter Frohwerk . Aufgrund der engen Personaldecke und des damit verbundenen Drucks würde aber zunehmend auf den Freizeitausgleich zurückgegriffen. Insgesamt beschäftigt Karstadt in Münster zurzeit 115 Mitarbeiter.

"Vernünftige Strukturen für verkaufsoffenen Sonntag schaffen"

Peter Frohwerk betont im Zusammenhang mit der Diskussion über die verkaufsoffenen Sonntage ausdrücklich, „dass niemand das Geschäft vermiesen oder verhindern möchte“. Seiner Meinung nach „müssen nur vernünftige Strukturen für einen solchen verkaufsoffenen Sonntag geschaffen werden“. Es genüge nicht ein Event, um damit den verkaufsoffenen Sonntag zu begründen.

Früher ein Highlight

Frohwerk blickt zurück. „Früher war ein verkaufsoffener Sonntag bei geringeren Öffnungszeiten tatsächlich noch ein Highlight.“ Heute hätten sie als Karstadt sechs Tage in der Woche von 9.30 bis 20 Uhr geöffnet. Peter Frohwerk vertritt die Meinung, dass ein verkaufsoffener Sonntag nur eine Umsatzverlagerung sei.

Bürger sollen entscheiden

„Leider sind viele Arbeitgeber im Handel nicht mehr tarifgebunden und somit werden für diese Händler die Personalkosten nicht nur bei Sonntagsöffnungen günstiger“, so Schüring. Bei Karstadt sind die Gehälter eingefroren und damit niedriger als der gültige Tarifvertrag.

Ob verkaufsoffene Sonntag sinnvoll sind oder nicht, die langjährige Betriebsratsexpertin vertritt die Auffassung, dass die Bürger am 6. November entscheiden sollen . Annegret Schüring betont, dass derzeit in Münster und Umgebung 17 insgesamt verkaufsoffene Sonntage existierten.

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