Bundesmedikationsplan Münsters Hausärzte befürchten erheblichen Mehraufwand

Münster -

„Ein erheblicher zusätzlicher Aufwand kommt auf uns zu“, betont Dr. Armin Schuster. Er ist Vorstand des Hausärzteverbundes Münster. Nicht nur die Hausärzte, sondern auch Apotheker, Krankenhäuser und Pflegedienste müssen sich seit dem 1. Oktober 2016 auf große Veränderungen bei der Patientenbetreuung einstellen.

Von Manuel Leidinger
Wegen der Erstellung von Medikationsplänen erwarten Ärzte, Apotheker, Krankenhäuser und Pflegedienste erheblichen zusätzlichen Aufwand.
Wegen der Erstellung von Medikationsplänen erwarten Ärzte, Apotheker, Krankenhäuser und Pflegedienste erheblichen zusätzlichen Aufwand. Foto: obs

Gesetzlich Krankenversicherte, die vom Arzt mindestens drei Medikamente pro Tag für mehr als vier Wochen verordnet bekommen, haben nun einen Anspruch auf Erstellung und Aktualisierung eines Medikationsplans .

Dieser muss einem bestimmten Muster entsprechen und sämtliche verschreibungspflichtige Arzneimittel enthalten. Aufgelistet werden der Wirkstoff, die Dosierung, der Einnahmegrund sowie sonstige Hinweise zur Einnahme.

Zuvor stellten Ärzte und Apotheker je nach Patientenbedarf ihre eigenen Medikationspläne aus. Bis Ende März 2017 müssen sie diese nun an das bundesweit vorgegebene Muster anpassen.

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Der neue Medikationsplan sorgt für mehr Sicherheit und Transparenz bei der Tabletteneinnahme.

Verbraucherzentrale NRW

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„Der neue Medikationsplan sorgt für mehr Sicherheit und Transparenz bei der Tabletteneinnahme“, erklärt die Verbraucherzentrale NRW. „Nicht nur die Patienten selbst, sondern auch Ärzte und Apotheker werden darüber auf dem Laufenden gehalten, welche Präparate der Patient gerade einnimmt.“

Tatsächlich kann es für den Patienten gefährlich werden, wenn seine Ärzte ihm unterschiedliche Medikamente verschreiben, deren Wirkungen sich gegenseitig aufheben oder verstärken. Eine Studie des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte ergab, dass jährlich rund 500.000 Notaufnahmen von Patienten in Krankenhäusern auf vermeidbare Medikationsfehler zurückzuführen sind. Durch die Gesetzesreform im Rahmen des vom Bundestag beschlossenen E-Health-Gesetzes soll mit den schädlichen Medikamentencocktails Schluss sein.

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Pro Patient müssen wir zehn bis 15 Minuten mehr einplanen, um den Medikationsplan zu verwalten. Der Zuschlag, den die Krankenkassen dafür zahlen, ist zu gering.

Dr. Armin Schuster, Hausarzt aus Münster

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Die Erstellung und Aktualisierung der Medikationspläne ist Aufgabe der Hausärzte. „Pro Patient müssen wir zehn bis 15 Minuten mehr einplanen, um den Medikationsplan zu verwalten. Der Zuschlag, den die Krankenkassen dafür zahlen, ist zu gering“, sagt Dr. Armin Schuster stellvertretend für die münsterischen Hausärzte. „Außerdem stellt sich uns ein rechtliches Problem: Was ist, wenn der Patient uns keine ausreichenden Informationen gibt und deshalb eine schädliche Mischung an Medikamenten zu sich nimmt? Wer trägt dann die Verantwortung?“

Auch die Reaktionen der Apotheker fallen verhalten aus. „Wir hätten uns als Apotheker gewünscht, stärker in das Projekt miteingebunden zu werden“, sagt Michael Schmitz, Pressesprecher der Apothekerkammer Westfalen-Lippe. „Der neue Medikationsplan ist sicherlich ein guter Ansatz. Es müssen aber noch weitere Schritte folgen.“

Ab 2018 soll der Medikationsplan auch auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden können.

Dr. Armin Schuster will sich nicht allein auf dieses Versprechen verlassen. „Wir arbeiten seit Anfang des Jahres an einem Pilotprojekt zur EDV-Vernetzung der örtlichen Praxen. Dadurch können wir einen effektiven und sicheren Austausch der Patientendaten zwischen den Ärzten in Münster sicherstellen“, so Schuster. „Natürlich nur mit Einverständnis der Patienten.“

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