Club am Schiffahrter Damm vor dem Aus Crowdfunding soll Club Charlotte retten

„Die Lotte muss bleiben“ - das ist das Motto einer Crowdfunding-Aktion, die die Disco Club Charlotte ins Leben gerufen hat. Der Club steht kurz vor dem Aus: 100.000 Euro Schulden haben sich angehäuft, das Grundstück soll verkauft werden. Deswegen bitten die Clubbesitzer Karl-Bernd Werning und Georg Willers nun im World Wide Web um Spenden.

Von Kristina Sehr
Club am Schiffahrter Damm vor dem Aus : Crowdfunding soll Club Charlotte retten
Das Innere des Clubs: grell und farbenfroh. Jetzt steht der Club Charlotte womöglich vor dem Aus. Foto: Club Charlotte

Auf dem ehemaligen Depot-Gebäude in der Nähe des Schiffahrter Damms ist der  Club Charlotte nun seit über vier Jahren beheimat. Am Abend treffen sich dort Feierwütige, die vor allem zu den Klängen von Trance- und Technomusik tanzen wollen. Wer auf eine noble Großraumdisco hofft, ist hier fehl am Platz. Stattdessen bietet der Club eher ranziges Flair und setzt auf in der Szene bekannte DJs. Die Deko ist opulent, an so manchem Abend wirkt der Innenraum gar wie ein Zauberwald, am nächsten wie eine bunte esoterische Farbwelt. Zwei Jahre in Folge wurde das Etablissement dafür gar vom Magazin Faze-Mag zu einem der zehn besten Clubs Deutschlands gekürt.

Doch eventuell finden hier schon bald keine Partys mehr statt: Im Januar 2017 läuft der Pachtvertrag des Grundstücks aus. Dann wechselt es möglicherweise den Besitzer. Mittlerweile hat sich, wie die Betreiber berichten, bereits ein potenzieller Kaufinteressent angemeldet, der den hinteren Teil des Grundstücks bebauen und die Sicht zur Straße freimachen möchte. Das würde den Abriss der Disco bedeuten.

100.000 Euro Schulden machen Grundstückskauf unmöglich

Finanzielle Probleme sind dem Club nicht unbekannt. Im Januar 2013 , gerade einmal neun Monate nach der Eröffnung, gingen schon einmal am Schiffahrter Damm die Lichter aus. Damals schloss der Club für ein paar Wochen, öffnete aber wieder unter neuer Leitung. Zumindest zu diesem Zeitpunkt war er noch einmal der Pleite entgangen.

Der Gedanke an das drohende Aus schmerzt Charlotte-Geschäftsführer Karl-Bernd Werning . „Wir haben uns mit dem Club einen Traum erfüllt “, so Werning. „Dass es ihn eventuell bald nicht mehr geben wird, tut uns in der Seele weh.“ Doch warum erwirbt das Team des Club Charlotte das Grundstück dann nicht selbst oder bittet Investoren um Hilfe?

Die finanzielle Situation der Disco macht den Betreibern einen Strich durch die Rechnung. In den letzten drei Jahren hat sich ein beträchtlicher Schuldenberg angesammelt, rund 100.000 Euro gilt es zurückzuzahlen. Somit fehlt das Kapital, um weiter zu investieren - und Banken sind aufgrund der Schuldenbelastung kaum willens, einen Kredit zu gewähren.

Bislang fehlten Investoren

Die Schulden seien entstanden, weil bislang ausschließlich Eigenkapital der Betreiber in den Club floss, erklärt Karl-Bernd Werning. In den ersten Jahren waren aufgrund des maroden Gebäudes viele Renovierungsarbeiten fällig, zudem dauerte das Aufbauen eines breiten Kundenstammes länger als gedacht. Wegen solcher Fehlkalkulationen machte der Club zunächst hohe Verluste. Zusätzlich blieben Investoren wegen der kurzen Pachtverträge aus.

Doch mittlerweile schreibt der Club angeblich schwarze Zahlen: „Seit einem Jahr arbeiten wir kostendeckend. Sobald wir schuldenfrei wären und dementsprechend auch keine Gebühren mehr für die Rückstände zahlen müssten, würde das ein Plus von 15.000 Euro jährlich bedeuten“, führt Werning näher aus. „Wenn wir zusätzlich eigenen Grund besäßen, könnten wir im nächsten Jahr ein großes Plus erzielen.“

Crowdfunding als Rettung für "die Lotte"

Mittlerweile ist sogar ein Investor im Spiel, der dem Club Charlotte helfen möchte. Er würde das Grundstück erwerben und so für Aufwind sorgen. Doch es gibt eine Bedingung: Die Disco muss Sicherheit bieten, also schuldenfrei sein. Deswegen zählen die Charlotte-Betreiber nun auf die Hilfe der Partygänger. Sie wollen mittels Crowdfunding die Rückstände endlich abbezahlen.

Auf dem Portal Startnext können Interessierte sich über das Projekt informieren und Geld spenden - entweder einen freien Betrag oder eine feste Summe, für welche man im Gegenzug ein Produkt wie etwa ein T-Shirt oder eine lebenslange Mitgliedskarte des Clubs erhält.  Wenn das Funding-Ziel von 120.000 Euro erreicht wird, geht der gesamte Betrag an die Disco. Alle Beteiligten erhalten jedoch ihr Geld zurück, falls die benötigte Summe nicht zusammenkommt.

Stichtag am 6. Dezember

Um die Aktion bekannt zu machen, sind mehrere Events wie beispielsweise eine Supporter-Party geplant, deren Erlös direkt in die Clubkasse fließen soll. Werning baut auf die Unterstützung der Stammgäste. „Mittlerweile ist der Club für viele regelmäßige Gäste eine Art zweites Wohnzimmer geworden. Uns liegt die Lotte wirklich am Herzen“, so der Geschäftsführer.

Seit dem Start der Crowdfunding-Aktion am 19. September sind auf diese Weise bereits über 36.000 Euro zusammengekommen - gespendet von Charlotte-Anhängern. Nun bleiben nur noch wenige Wochen Zeit. Am 6. Dezember wird es ernst. Dann heißt es: Die Lotte darf bleiben - oder nicht.

So funktioniert Crowdfunding

Beim Crowdfunding werden Projekte oder Geschäftsideen im World Wide Web vorgestellt, um so das Interesse einer Vielzahl von Internetnutzern zu erwecken. Bei diesen handelt es sich meist um Privatpersonen. Sie können die Aktion unterstützen, indem sie zu Kapitalgebern werden. Mit Eigenkapital finanzieren sie das Projekt oder Produkt. Auf diesem Wege lassen sich beispielsweise neue Ideen, für deren Umsetzung es an Kapital mangelt, realisieren. Die Beteiligungen durch die Internetnutzer erfolgt zumeist in Form einer stillen Beteiligung, eines partiarischen Darlehens oder einer Spende.

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