„Die Trümmer“ begeistern im Gleis 22 Punk aus der Interzone

Münster -

„Wir hatten Sex in den Trümmern und träumten. Wir fanden uns ganz schön bedeutend“, sang Frank Spilker von den „Sternen“ vor 20 Jahren. Ganz so weit ging es am Samstag im Gleis 22 beim Konzert der Hamburger Band Trümmer nicht, aber die Söhne im Geiste schafften es, die Romantik der Revolte tanzbar zu machen. Am Ende artete alles auf wunderbarste Weise aus.

Von Jörn Krüßel
Die Band „Die Trümmer“ begeisterte am Samstag im Gleis 22. Die Hamburger präsentierten ambitionierte Punk-Songs mit politischer Botschaft. Im Vorprogramm spielte Nicolas Sturm.
Die Band „Die Trümmer“ begeisterte am Samstag im Gleis 22. Die Hamburger präsentierten ambitionierte Punk-Songs mit politischer Botschaft. Im Vorprogramm spielte Nicolas Sturm. Foto: krü

Schon seit Längerem ist spürbar, dass es um deutschen Postpunk gut bestellt ist. Trümmer reihen sich ein in die Gesellschaft von Bands wie den Stuttgartern „Die Nerven“ oder „Messer“ aus Münster, die seit vier Jahren deutschsprachigen punkigen Indierock spielen. Viele sehen sie in der Tradition deutscher Diskursrock-Bands wie Tocotronic oder Blumfeld. Dass ihre Musik aber live auch in Bauch und Beine gehen kann, davon konnten sich die Gleis-22-Besucher überzeugen: Die politische Message wurde um eine gehörige Portion Tanz ergänzt.

Als wachsamer Beobachter aktuellen Zeitgeschehens stellt sich zunächst auch der Freiburger Nicolas Sturm heraus, der den Konzertabend mit seiner Band eröffnet. Die Lieder seines neuen Albums „Angst Angst Overkill“ präsentiert er schön schwelgerisch und weckt Erinnerungen an 80er-Jahre-Bands wie The Smiths oder The Cure.

In ebenjener Zeit wähnt man sich dann auch, als auf einmal der neonpinke Schriftzug „ Interzone “ im Hintergrund aufleuchtet. Dieser ist natürlich vom Cover des neuen, so betitelten Albums von Trümmer bekannt. Sänger Paul Pötsch betont, wie „geil es ist, endlich im Gleis 22 zu sein“, und fordert zum Tanz auf. Die Band spielt druckvoll, doch zunächst spürt man höfliche Zurückhaltung auf beiden Seiten. Dies ändert sich spätestens zur aktuellen Single „Europa Mega Monster Rave“.

Die politische Botschaft wird hier fulminant groovig unterlegt, und das Publikum wird spürbar wärmer. Die Überwindung von Barrieren, wie auch das Durchschauen falscher politischer Versprechen (inklusive punkigem Gruß an die AfD), wird thematisiert. „Jetzt ist der Rave bei euch, ihr müsst ihn raustragen!“, fordert Pötsch schließlich, und jeder weiß Bescheid.

Am Ende wird die Vorband vom Merch-Stand wieder auf die Bühne gezerrt, das Publikum mit Instrumenten versorgt und ausgiebig gejammt. Dass das Konzert in diesem wunderbaren Chaos enden würde, war nicht abzusehen, lässt alle Beteiligten dafür umso mehr mit einem besonderen Gefühl nach Hause gehen.

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