Samuel Finzi in der Weverinck-Reihe „Meister des Wortes“ Schräge Figuren, schwierige Lesung

Münster -

Ach hätte er doch ein anderes Buch gewählt! Als Samuel Finzi, der sympathische und angesehene Fernseh- und Bühnenschauspieler, am Freitagabend aus der Lesungspause zurückkehrt, haben sich die Reihen im Kleinen Haus ungemütlich gelichtet. Überrascht scheint Finzi nicht zu sein und belässt es dann statt der angekündigten zwei bei einem weiteren Kapitel aus Maxim Billers erst im März erschienenem Roman „Biografie“. Mit dem die Mehrzahl der Zuhörer bei der Weverinckschen „Meister des Wortes“-Reihe im Münster offensichtlich nicht warm wird.

Von unseremRedaktionsmitgliedPetra Noppeney
Samuel Finzi erntete höflichen Applaus. Der galt wohl weniger dem vorgetragenen Text.
Samuel Finzi erntete höflichen Applaus. Der galt wohl weniger dem vorgetragenen Text. Foto: pn

Und dabei beginnt der Abend durchaus launig. „Ich werde lesen, und wenn es Ihnen gefällt, hören Sie vielleicht auch zu“, sagt der aus Bulgarien stammende Finzi . Es ist seine erste öffentliche Lesung aus dem fast 900-seitigen Biller-Buch, das dem Schauspieler in all seiner Abgründigkeit offenkundig gefällt. Immer wieder unterbricht er anfangs seinen Vortrag, weil er – in Kenntnis des Buches – lachen muss. Den wenigsten Zuhörern geht es ebenso.

Zwar amüsiert eingangs das Panoptikum an schrägen Figuren wie „Klaus, die Kanaille“, „Ute, genannt Knute“, oder „Albert Le Speer“, der später im Roman sagen wird: „Ich habe mich in der Tür geirrt – und im Führer auch“. Dass Finzi, in Abstimmung mit dem Autor, seine Lesung überhaupt mit dem Klappentext und der ellenlangen Liste der Romanfiguren beginnt, ist ungewöhnlich genug. Wer jedoch das Buch von Biller , den man als streitbaren Kritiker im aktuellen „Literarischen Quartett“ des ZDF vor Augen hat, nicht kennt, kommt dem sperrigen Werk an diesem Abend kaum näher.

Und auch Finzi tut sich mitunter schwer mit manchen Billerschen Schachtelsätzen, wiederholt diese ganz oder in Teilen, wenn er meint, dass die Betonung zuvor nicht stimmte.

Doch die Figuren aus den beiden von ihm vorgetragenen Romankapiteln – zuerst jener Noah Forlani, der einen Goebbels-Film drehen will, danach der zänkische und kleinmütige Romanheld Solomon Karubiner, der als auktorialer Erzähler in deftigen Worten von seiner „Sauna-Affäre“ berichtet – lassen das Publikum in Münster überwiegend ratlos zurück. Der Applaus am Schluss ist höflich. Er gilt wohl eher Finzi als Biller.

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