New Names am 13. Oktober 2016 Spagat zwischen Ballade und Rock

Münster -

Drei Bands, die unterschiedlicher kaum sein könnten, spielten am Donnerstagabend im Jovel-Club: Classic-Rock mit Frontfräuleinwunder, Soul-Pop in der Edel-Karaoke-Variante und eine deutschprachige Indie-Band, die in keine Schublade passt.

Von Carsten Vogel
Die Bands François Dillinger, Linda & The Punch und Stevie D’Red (von links) standen beim jüngsten New-Names-Konzert im Jovel auf der Bühne.
Die Bands François Dillinger, Linda & The Punch und Stevie D’Red (von links) standen beim jüngsten New-Names-Konzert im Jovel auf der Bühne. Foto: Gunnar A. Pier

Was für ein kon­trastreicher Abend. Drei Bands und Künstler, die die musikalische Bandbreite von deutschsprachigem Indie über Classic-Rock bis zum Soul-Pop präsentieren. Jeweils eine halbe Stunde, wie das Format „ New Names “ im Jovel-Club es an jedem zweiten Donnerstag im Monat vorsieht.

Bevor es richtig losgeht, klingt aus den Clublautsprechern ein Song der Band Disturbed mit der Coverversion von „Sound of Silence“. Immerhin feiert Paul Simon an diesem Tag seinen 75. Geburtstag. Eine Hommage an den frischgebackenen Literaturnobelpreisträger Bob Dylan bleibt allerdings aus.

Stattdessen legen Linda and the Punch um die junge Sängerin Linda Lulka mit einer guten Mischung aus AOR (Adult Oriented Rock) und melodischem Hardrock à la Heart los. Das hat tatsächlich Punch. Kein Wunder, denn die Bandmitglieder hinter der 24-Jährigen sind erfahrene Rocker: Axel Urban am Keyboard, Doc Heyne an der Gitarre, Albrecht Dörries am Bass und Gereon Homan an den Drums. Auch wenn sich mal der eine oder andere Fehler einstellt, die Ruhe der Routinierten überträgt sich auf die Frontfrau. Keine Spur von Nervosität, souverän gelingt ihr der Spagat zwischen Ballade und Rocksong. Und mit ihrem paillettierten Zweiteiler glitzert die attraktive Sängerin wie ein aufgehender Stern.

Stevie D‘Red dagegen hat keine Band im Rücken, sondern nutzt für seine Performance die Musik seines iMacs. Musikalisch eher im Soul-Pop der 90er-Jahre verhaftet, könnte der extra aus Bristol angereiste Sänger und Produzent mit Simply-Red-Sänger Mick Hucknall locker konkurrieren. Spielend covert er „It Ain‘t Over Till It‘s Over“ von Lenny Kravitz. Es hat etwas von Edel-Karaoke. Man hätte sich auch nicht gewundert, wenn ein Casting-Juror aufgestanden wäre und zum Recall eingeladen hätte. Krönender Abschluss ist ein Duett mit der münsterischen Sängerin Kiki Voss.

Als dritte Band entern François Dillinger die Bühne. So recht in eine Schublade passen sie nicht. Vielleicht aber sind sie der Beweis, dass Shoegazing (Rockmusik-Spielarten der 80er- und 90er-Jahre) sich nicht nur auf den britischen Raum beschränken muss.

The Telescopes treffen Tocotronic. Sänger Luca Stöver dehnt beim Opener „Es ist höchste Zeit“ die Vokale mindestens so wie Thees Uhlmann. Mitunter schraubt er aber seine Stimme zum Falsett empor. Sollte jemals ein deutscher Regisseur John Nivens Buch „Gott bewahre“ verfilmen, die Hauptrolle wäre mit dem François-Dillinger-Frontmann bestens besetzt.

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