"Ein Opfer falscher Kommunikation" Wie ein Münsteraner auf die Blacklist der DHL kam

Münster -

Ulrich Coppel wartete auf ein Paket. Vergeblich. Denn sein Konto sei gesperrt, erfuhr er von der DHL. Der Beginn einer folgenreichen Informationspanne.

Von Günter Benning
Gesperrt: Ulrich Coppel konnte mit seiner DHL-Karte keine Pakete an der Paketstation abholen. Die Erklärung sorgte für reichlich Verwirrung.
Gesperrt: Ulrich Coppel konnte mit seiner DHL-Karte keine Pakete an der Paketstation abholen. Die Erklärung sorgte für reichlich Verwirrung. Foto: Matthias Ahlke

„Sie stehen auf einer schwarzen Liste.“ Ulrich Coppel aus dem Kreuzviertel war doch etwas perplex, als ihm die Telefon-Hotline des Paketzustellers DHL erklärte, warum ein Paket mit sechs Leuchtstoffröhren einfach nicht bei ihm ankommen wollte.

Opfer falscher Kommunikation

„ Blacklist “, „Konto gesperrt“ – das ist der Stoff, aus dem man Cyber-Krimis strickt. Der Musiklehrer und freie Journalist Coppel stellte auf Alarm-Modus. Tage später seufzt DHL-Pressesprecher Achim Gahr aus Düsseldorf hörbar am Telefon: „Ich habe unseren Leuten gesagt, das war alles extrem unglücklich.“ Coppel sei ein Opfer falscher Kommunikation geworden.

Was war passiert?

Ulrich Coppel ist seit langem DHL-Kunde und besitzt eine Kundenkarte für eine Paketstation. Aber als dann neulich die Leuchtstoffröhren zurück an den Absender geschickt wurden, erlebte er nach eigenen Aussagen ein Panoptikum falscher Aussagen bei der DHL-Hotline.

Das Paket sei falsch adressiert worden, war eine Aussage. War es aber nicht. Das Paket sei an die DHL-Filiale Gasselstiege geliefert worden, wo er es abholen könne. War es auch nicht.

Schließlich: Sein DHL-Konto sei seit dem 13. Juni gesperrt.

Die "Blacklist"

Dabei fiel dann auch das Wort „Blacklist“. Nicht sofort allerdings. Coppel: „Von der Existenz dieser Liste habe ich erst nach mehreren Nachfragen erfahren.“ Da hatte er schon mehr erfahren als DHL-Sprecher Gahr: „Der Begriff ist mir nicht bekannt“, sagt er auf Anfrage.

Tatsächlich sei aber Coppels Konto gesperrt worden. Warum? „Das geht mehr oder weniger automatisch, wenn Gefahr besteht, dass ein Konto gehackt worden ist.“ Auf der Website von DHL werden Fälle geschildert, bei denen Karten vorsorglich gesperrt werden. Zum Beispiel dann, wenn die Software einer Paketstation gerade aussetzt.

„Das alte Konto löschen“

„Dann hätte man mich aber in jedem Fall informieren müssen“, findet der Münsteraner Coppel, der auch im zweiten Sende-Anlauf seine Leuchtstoffröhren nicht bekam. Genau das erweist sich, so DHL-Sprecher Gahr als schwierig: „Wenn ein Konto von irgendwem gehackt wurde, kann der natürlich auch sämtliche Angaben ändern.“ Telefonnummer, Email-Adresse, sogar die Anschrift seien dann nicht mehr zuverlässig. Melden mache da keinen Sinn.

Was Coppel hätte machen müssen? „Das alte Konto löschen“, sagt Achim Gahr, „und ein neues Konto eröffnen.“ Und zwar mit einer neuen Email-Adresse, denn die alte ist ja verbrannt. Dann hätte er dem Paketversender die neuen Daten schicken können – und der hätte sein Paket noch mal lossenden sollen.

Aber irgendjemand hätte ihm das natürlich erklären müssen. Achim Gahr: „Der Fehler liegt eindeutig bei uns.“

Der dritte Versuch - mit einem anderen Paketdienst

Das Paket ist übrigens beim dritten Versuch endlich bei Coppel angekommen: „An meine private Adresse.“ Und mit dem Paketdienst DPD.

Zum Thema

Wenn eine DHL-Karte gesperrt wurde, gibt es nach Angaben von Pressesprecher Achim Gahr nur die Möglichkeit, das alte Konto zu löschen und ein neues einzurichten. Hierfür müsse allerdings eine neue Email-Adresse eingesetzt werden.

Anbieter wie freemail.de, googlemail.com, gmx.de gibt es reichlich im Internet. Tipps für sichere Emails finden sich auch auf der Internetseite des Innenministeriums ( www.sicher-im-netz.de/sichere-e-mails ). Die Verbraucherzentrale NRW bietet umfangreiche Informationen über zahlreiche Probleme rund um Paketzustellung und Paketdienste ( www.paket-aerger.de ).

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