Anton Lindenbaum war Lehrling in der Dombauhütte Ruine wurde wieder zum Dom

Münster -

Am 14. Oktober jährt sich die Wiederweihe des St.-Paulus-Doms in Münster zum 60. Mal. Dass nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs aus einer Ruine wieder ein Dom entstanden ist, ist der Arbeit der Steinmetze zu verdanken, die an der Dombauhütte gearbeitet haben. Einer von ihnen war Anton Lindenbaum. Er erinnert sich gern an die Zeit.

Noch heute fühlt sich Anton Lindenbaum mit dem St.-Paulus-Dom in Münster besonders verbunden, bei dessen Wiederaufbau er von 1950 bis 1954 mitgearbeitet hat.
Noch heute fühlt sich Anton Lindenbaum mit dem St.-Paulus-Dom in Münster besonders verbunden, bei dessen Wiederaufbau er von 1950 bis 1954 mitgearbeitet hat. Foto: Bischöfliche Pressestelle

Nach dem Krieg lag der Dom in Schutt und Asche. Eine Ruine , deren Bausubstanz völlig zerstört war. Ab 1946 waren Steinmetze in der neu gegründeten Dombauhütte tätig.

„Im April 1950 habe ich meine Ausbildung begonnen und bis November 1954 in der Dombauhütte gearbeitet“, berichtet der heute 81 Jahre alte Horstmarer. 32 Steinmetzgesellen und zwei Meister haben damals am Dom gearbeitet. „Es war eine schöne Zeit, die vor allem von dem guten Miteinander und der Kameradschaft geprägt war“, sagt Lindenbaum . Da sei es egal gewesen, welches Alter die Handwerker gehabt hätten.

Jeden Tag ist Lindenbaum mit dem Bus von Horstmar nach Münster gefahren. Los ging es für ihn früh morgens um 5.45 Uhr. Zu Hause war er erst um kurz vor 19 Uhr. „Das war ein langer Tag für einen 15-Jährigen.“ An zahlreiche Kollegen erinnert er sich, und viele Geschichten weiß er zu erzählen. Doch nicht alle seien für eine Veröffentlichung geeignet, bemerkt er lachend. „Wir haben oft Wanderlieder bei der Arbeit gesungen und im Takt dazu den Stein geschlagen“, berichtet er. Auch hätten die Handwerker mit einiger Übung an den Metallstäben der Galenschen Kapellen das Lied „Üb immer Treu und Redlichkeit“ spielen können, verrät er.

Als Lindenbaum in Münster arbeitete, lag der Domplatz noch voller Schutt. Was gebraucht werden konnte, wurde wieder verwertet. Am Dom gab es eine Schreinerei, eine Schmiede, eine Sanitärwerkstatt und eben die Lehrwerkstatt für die Steinmetze. „Wir mussten auch in den anderen Gewerken aushelfen, wenn Not am Mann war. Das war interessant“, sagt Lindenbaum.

In der Werkstatt der Steinmetze hatte jeder Mitarbeiter seinen festen Platz und seine eigene Werkzeugkiste: „Meine hatte die Nummer zwei.“ Der Sandstein kam aus den Baumbergen und wurde auf dem Domherrenfriedhof geschlagen. Alles wurde bearbeitet wie im Mittelalter, da es keine Maschinen gab. „Die großen Blöcke wurden von den Steinhauern bearbeitet, die Löcher sind mit der Hand getrieben worden“, nennt Lindenbaum Beispiele. Er selbst hat hauptsächlich beim Versetzen der Steine geholfen und das Aufmaß der Radfenster genommen. Auf dem Boden über der Sakristei und dem Kapitelsaal hätten die Steinmetze die Schablonen für die Fenster ausgelegt, denn dort hatten sie genügend Platz. Lindenbaums Gesellenstück schmückt noch heute den Dom: „Es ist ein Mittelstück aus dem Radfenster“, erzählt Lindenbaum nicht ohne Stolz. Einen halben Mann groß ist sein Werk, das er jedes Mal, wenn er Münster besucht, in den Blick nimmt. Auch das heimische Büro schmückt ein Bild des St.-Paulus-Doms. „Ich habe es nach einem Foto malen lassen“, sagt Lindenbaum. Seine Frau hat er übrigens in der Kapelle des Doms geheiratet.

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