Leiterin verlässt Nienberger Theatergruppe Abschied von der Bühne

Münster-Nienberge -

Nach 40 Jahren verabschiedet sich Cäcilia Bothe von der Laienspielschar des Männerchores Nienberge, um sich mehr um ihre Familie kümmern zu können. Redakteur Kay Böckling hat die scheidende Spielleiterin interviewt.

Das plattdeutsche Theater ist und bleibt eine Leidenschaft von Cäcilia Bothe. Doch um mehr Zeit für die Familie zu haben, verlässt sie die Nienberger Laienspielschar als deren Leiterin und Mitspielerin.
Das plattdeutsche Theater ist und bleibt eine Leidenschaft von Cäcilia Bothe. Doch um mehr Zeit für die Familie zu haben, verlässt sie die Nienberger Laienspielschar als deren Leiterin und Mitspielerin. Foto: kbö

40 Jahre stand sie auf der Bühne, zehn Jahre zeichnete sie als Spielleiterin für die Laienspielschar des Männerchors Cäcilia verantwortlich. Nun zieht sich Cäcilia Bothe zurück. Mehr Zeit für die Familie ist angesagt. Über ihre Zeit bei der Laienspielschar, ihren Entschluss aufzuhören und darüber, dass eine Rückkehr vielleicht doch nicht auszuschließen ist, sprach die Nienbergerin mit Redakteur Kay Böckling .

Frau Bothe, mit der neuen Saison haben Sie Ihren Rückzug erklärt. Warum?

Cäcilia Bothe: Ich habe die Theatergruppe bei der letzten Spielzeit darauf vorbereitet, dass ich die Spielleitung und das Spielen gerne abgeben möchte. Das hängt mit der familiären Situation zusammen. Wir haben vier Enkelkinder, die nicht in der Nähe wohnen. Wir möchten gerne die jungen Familien unterstützen und besuchen. Meine Auffassung von Spielleitung ist: Wenn Proben sind, möchte ich auch verbindlich da sein, um auch der Vorbildfunktion gerecht zu werden. Das hätte ich nicht mehr gewährleisten können.

Aber Ihr Herz schlägt weiter für das Theater?

Cäcilia Bothe: Natürlich ist das so. Aber das Herz für die Familie ist da momentan größer.

Wie sind Sie zum plattdeutschen Theater gekommen?

Cäcilia Bothe: Wir sind 1975 nach Nienberge gezogen. Ich hatte eine Stelle an der Kita in Nienberge bekommen, an der ich ein Jahr später die Leitung übernahm. Man war dann eben in verschiedenen Arbeitskreisen oder Gremien aktiv, wie dem Kindergottesdienst oder im Pfarrgemeinderat. Dadurch ergaben sich schnell private Kontakte. Irgendwann habe ich mich dahingehend geäußert, dass mich plattdeutsches Theater durchaus auch interessieren könnte. Nach dieser Aussage ging es ganz schnell.

Was ging schnell?

Cäcilia Bothe: An einem Morgen kam Reinhold Augustin – ein altbekannter Spieler der Bühne – in den Kindergarten. Er hatte mir auch gleich das Theaterbuch für die nächste Saison mitgebracht und meinte, dass er dringend jemanden benötige, da Martha Tegeler aufgrund ihres Alters aussteigen wollte. Das war der Beginn.

Ihre erste Rolle?

Cäcilia Bothe: Ich war 22 Jahre alt und musste eine 60-Jährige spielen. Mit wurden Falten geschminkt. Der Dutt wurde aufgesetzt. Und irgendwie wurde das alles passend gemacht. Und da kommen wir auch gleich zu einem Problem. Es wird immer schwerer, die Rollen altersgerecht auch passend zu besetzen.

Grundvoraussetzung für das plattdeutsche Theaterspiel ist das Beherrschen der Sprache. Wo haben Sie das gelernt?

Cäcilia Bothe: Ich habe es immer Zuhause gelernt. Meine Eltern haben immer Plattdeutsch mit uns gesprochen. Die Melodie der Sprache hat und behält man im Ohr.

40 Jahre dabei zu bleiben, dazu gehört schon Leidenschaft . . .

Cäcilia Bothe: Das ist richtig. Aber das liegt natürlich auch an der Truppe. Die war eingeschworen und hat sich stets gut ergänzt.

Karl Hakenes war Ihr Vorgänger, und er hat die Laienspielschar entscheidend geprägt. Wie kamen Sie als Schauspielerin zur Leitung der Gruppe?

Cäcilia Bothe: Wir hatten ja bereits viele Jahre lang gemeinsam gespielt. Irgendwann merkte er, dass er die Leitung aus gesundheitlichen Gründen abgeben musste. Er fragte mich dann, ob ich mir die Leitung zurauen würde. Daraufhin sagte ich: „Der Schuh, den Du mir hier hinstellst, ist zwar groß. Aber ich ziehe mal dicke Socken an. Dann geht´s vielleicht.“

Aber im Laufe der Jahre haben Sie diese Socken ausgezogen . . .

Cäcilia Bothe: Ja, und es hat mir immer sehr viel Spaß gemacht.

Neben der Leitung haben Sie weiter selbst gespielt. Klappte das gut?

Cäcilia Bothe: Beim Wohlwollen aller zusammen klappte das sehr gut. Und wir ergänzten uns ja auch bei den Proben. Jeder hatte stets einen Blick für das Ganze. Es war immer Teamarbeit.

Früher gab es ein Ritual, dass bei der letzten Aufführung der Spielsaison ein Akteur Opfer eines Streichs wurde. Eine alte Sitte, die eingeschlafen ist. Hat es Sie auch mal erwischt?

Cäcilia Bothe: Ich musste mal eine Reitlehrerin spielen. Beim letzten Spielwochenende klingelte es hier um 11. Da hatten die Kollegen mir mein Kostüm mitgebracht und standen mit einem großen echten Pferd vor der Tür. Ich durfte dann erstmal eine große Runde auf dem Gaul reiten.

Woran erinnern sie sich am liebsten.

Cäcilia Bothe: Es gab früher mal die niederdeutschen Theatertage. Daran haben wir alle drei Mal teilgenommen. Das erste Mal gewannen wir gleich den ersten Preis, in der zweiten Runde den dritten Preis und in der dritten Runde den zweiten Preis. Ein tolles Ergebnis bei bis zu 30 teilnehmenden Bühnen.

Gibt es für Sie ein Comeback?

Cäcilia Bothe: Jetzt nicht. Aber wer weiß, vielleicht in fünf oder sechs Jahren.

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