Komposition von Matthias Bonitz im Landesmuseum zu Picasso Das Prinzip der Ausdünnung

Münster -

Es waren oft die anderen Disziplinen der Kunst, die Matthias Bonitz zu eigenen Kompositionen inspirierten, so etwa Dichtungen von Ingeborg Bachmann, Hesse oder der Droste, aber auch Werke aus der darstellenden Abteilung. Herausragend darunter die Tondichtung „Le Taureau“, die auf einem in den 40er-Jahren entstandenen Zyklus von elf Stier-Lithographien von Pablo Picasso beruht

Von Michael Schardt
Musik nach Picasso: Istvan Karácsonyi an der Violine und Pillwoo Chun am Flügel
Musik nach Picasso: Istvan Karácsonyi an der Violine und Pillwoo Chun am Flügel Foto: mms

Es waren oft die anderen Disziplinen der Kunst, die Matthias Bonitz zu eigenen Kompositionen inspirierten, so etwa Dichtungen von Ingeborg Bachmann, Hesse oder der Droste, aber auch Werke aus der darstellenden Abteilung. Herausragend darunter die Tondichtung „Le Taureau“, die auf einem in den 40er-Jahren entstandenen Zyklus von elf Stier-Lithographien von Pablo Picasso beruht. Das Werk erlebte 2010 seine Uraufführung. Jetzt wurde es anlässlich einer neu eingespielten CD im Landesmuseum von Istvan Karácsonyi (Geige) und Pillwoo Chun (Klavier) neu interpretiert.

Zu Beginn gab Komponist Matthias Bonitz eine Einführung und sprach von seinem Ansinnen eines „Brückenbaus“ zwischen Kunst und Musik. Die Überlegung sei gewesen, Picassos Prinzip der Ausdünnung , wie sie in den elf Zeichnungen zu bemerken sei, eine musikalische Entsprechung an die Seite zu stellen. So einfach die Idee auch schien, so schwierig gestaltete sich die Umsetzung. Als Ausgangsstoff habe er eine Melodie gesucht („der Text interessierte mich nicht“) und sei in einem katalanischen Volkslied fündig geworden. Dann habe er die elf Zeichnungen in drei Sektionen (Sätze) unterteilt und die Melodie immer weiter reduziert, bis sie fast im Unhörbaren verklingt.

Bei Picasso bestehe der letzte Stier nur noch aus einem Strich, „wie bei Höhlenzeichnungen“, weiß Bonitz. Als Picasso innerhalb des Zyklus’ in die kubistische Malweise gewechselt sei, habe er seine Komposition in der Zwölftontechnik weitergeführt, die etwa zeitgleich mit dem Kubismus 1920 aufkam. Diese musiktheoretischen Erörterungen wurden immer wieder beispielgebend begleitet von Spielproben der Solisten.

So bestens präpariert, durften die Zuhörer einer sehr schönen, im Finalsatz äußerst berührenden Darbietung lauschen. Beeindruckend vor allem, wie die stimmführende Violine den luftigen, zerbrechlichen Endzustand fühlbar machte. Große Spielkunst vor kleinem Publikum.

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