Staatliche Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch im Pumpenhaus Am Ende dreht sich die Gewaltspirale

Münster -

„Du musst ihn zurückbringen, in die Klinik, haben sie mir gesagt.“ Die Rede ist von Ireens Sohn. Seine grünen Augen leuchten diabolisch. Anstelle von Worten gibt er nur röchelnde, knurrende Laute von sich. Die Mutter kann ihn gerade noch davor zurückhalten, auf das Publikum loszugehen.

Von Isabell Steinböck
Mutter und Sohn geben in „Creatures Hill“ eine ebenso komische wie traurige Figur ab. Die Staatliche Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch gastierte im Pumpenhaus.
Mutter und Sohn geben in „Creatures Hill“ eine ebenso komische wie traurige Figur ab. Die Staatliche Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch gastierte im Pumpenhaus. Foto: Jörg Hausner

Der erste Eindruck: ein Horrorszenario. Mit heruntergezogenen Mundwinkeln, klapperndem Kiefer und weit aufgerissenen, blauen Augen steht Ireen auf der Bühne und würgt Worte hervor, die ihr persönliches Drama beschreiben: „Du musst ihn zurückbringen, in die Klinik, haben sie mir gesagt.“ Die Rede ist von ihrem Sohn. Wie ein kleiner, kläffender Hund hängt der Junge an ihrer Hand. Seine grünen Augen leuchten diabolisch. Anstelle von Worten gibt er nur röchelnde, knurrende Laute von sich. Die Mutter kann ihn gerade noch davor zurückhalten, auf das Publikum loszugehen.

„Creatures Hill“ ist eine szenische Bearbeitung von Doris Lessings Roman „Das fünfte Kind“. Vier Studentinnen der Staatlichen Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch ( Berlin ) haben die Texte für das rund 45-minütige Drama durch Improvisation mit ihren grandiosen Klappmaul-Masken selbst entwickelt. Im Pumpenhaus brachten sie ein groteskes Splatter-Stück zur Aufführung, das sowohl komisch und als auch traurig zugleich war.

Die Handlung setzt ein, als Ireen schon fast alles verloren hat. Ehemann Ike betrügt sie, bis auf eine Tochter haben die übrigen Kinder das Weite gesucht. Hilfe erhält sie nur durch Kindermädchen Patricia, die mit trotziger Quäkstimme leicht unterbelichtet wirkt. Ireen ringt mit sich: Soll sie den Jungen in die Spezialklinik geben, obwohl es ihm dort schlecht ergeht?

Die Mutter weiß sich nicht zu helfen. Als das Kind Hauskatze Kitty den Hals umdreht, ruft sie dort an. Doch die Ärztin, die gerade noch von der heilenden Kraft einer liebevollen Gemeinschaft sprach, verweigert jede Hilfe. Der Mini-Rambo wird immer brutaler. Da greift Patricia zur Kettensäge . . .

Maike Drexler, Leonie Euler, Luisa Grüning und Gloria Iberl-Thieme entlarven menschliche Schwächen, wenn sie der Suche nach Selbstverwirklichung und Glück die schwere Bürde der Verantwortung entgegensetzen. Dass sie sich, mit gekonnt verstellten Stimmen, der Realsatire bedienen, macht ihr beklemmendes Puppenspiel unterhaltsam: Grotesk, wenn die Großmutter mit ihrem Weihwasser auf den „teuflischen“ Nachwuchs losgeht. Und skurril, wie Patientin Betty die froschmaul-gesichtige Ärztin hinter sich her zerrt, um endlich zu helfen. Wenn sich am Ende die Gewaltspirale dreht, wird die Gesellschaft zur Farce. Da bleibt beim Zuschauen das Lachen im Hals stecken.

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