Olivier Périn eröffnet Orgelherbst in St. Joseph Immer wieder „Nun danket alle Gott“

Münster -

Ein sehr französisches Konzert war am Sonntag zu bestaunen. Und eines, das der Improvisation viel Raum gab, ist doch das freie Orgelspiel eine Spezialität Olivier Périns.

Von Arndt Zinkant
Olivier Périn an der Orgel in St. Joseph
Olivier Périn an der Orgel in St. Joseph Foto: Arndt Zinkant

Noch wirkt es draußen fast sommerlich – aber der Orgelherbst in St. Joseph ist seit dem Wochenende eingeläutet. Den Auftakt der insgesamt fünf Konzerte machte Olivier Périn , Titularorganist im Stadtteil Marais in Paris sowie Leiter des Konservatoriums von Nancy. Auch in St. Joseph in Münster ist der renommierte Musiker kein Unbekannter. „Heute ist er an die Fleiter-Orgel zurückgekehrt“, erfuhr das Publikum.

Ein sehr französisches Konzert war am Sonntag zu bestaunen. Und eines, das der Improvisation viel Raum gab, ist doch das freie Orgelspiel eine Spezialität Olivier Périns. Zum Beginn: „Nun danket alle Gott“ – als „Marche triumphale“, wie ihn Sigfrid Karg-Elert 1909 schrieb. Das wuchtete die volle Registergewalt der Fleiter-Orgel gleich mit Macht vors Ohr des Publikums. Das kurze Stück wird gleichsam als „idée fixe“ in jedem der kommenden Konzerte gespielt werden.

Dann aber hatte sich Périn die vierte Orgelsymphonie von Charles-Marie Widor vorgenommen. Nicht so legendär wie die fünfte mit ihrer prägnanten Finaltoccata, aber nicht minder hörenswert. Eine Toccata steht hier am Anfang, worauf Widor eine Fuge mit dräuendem Bassfundament folgen lässt. Besonders einnehmend sind die drei folgenden Sätze, die leicht wie Aquarelle daherkommen. Ein schlichtes Andante cantabile, das der Organist in gebührender Stimmung spielt. Dolce! Das Scherzo wird pianissimo in die Tasten getupft, und das Adagio nimmt nach schwerblütigem Beginn eine fast meditative Wendung. Da wird einem erst so richtig bewusst, wie selten Stücke sind, die über so weite Strecken der Orgel Intimität anvertrauen – und die Königin der Instrumente ohne großen Pomp vorführen.

Im Finale der Symphonie lässt Widor natürlich Klangkaskaden mit jener orches­tralen Fülle wogen, die er im 19. Jahrhundert als einer der ersten Orgelmeister auszureizen wusste. Und Olivier Périn kostete jeden Schlussakkord schön weidlich aus.

Für seine finale Improvisation schlug er den Bogen zum Anfang: „Nun danket alle Gott“. Zunächst zerdehnte er den Choral sehr chromatisch, tauchte ihn dann in mollschwadige Bass-Wogen, scheute auch bizarre Staccati nicht, fand aber auch zu feierlichen Momenten. Bei all dem war man sich dennoch stets sicher: Hier ist ein Meister am Werk.

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