Thomas Philipzens „Best of“ im Kreativhaus Schnellsprecher mit Biss

Münster -

Breitbeinig steht der Kabarettist auf der Bühne, als er sich in die Rolle einer chinesischen Gewichtheberin versetzt. Asiatisch anmutende Laute herausratternd, verzieht er das Gesicht, prustet und wuchtet die imaginäre Last hinauf, um letztlich – bis zum Anschlag gedopt – schwanen gleich über die Bühne zu tänzeln. Gewichts-Probleme sind passé, aber das lachende Publikum weiß nun, weshalb bei der Olympiade alle Angst vor den Chinesen hatten.

Von Isabell Steinböck
Der Mann redet auch mit Händen und Füßen: Thomas Philipzen präsentiert sich als prächtig aufgelegter Kabarettist.
Der Mann redet auch mit Händen und Füßen: Thomas Philipzen präsentiert sich als prächtig aufgelegter Kabarettist. Foto: is

Thomas Philipzen hat sich mit „Storno“ längst einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. Dass er auch als Alleinunterhalter glänzt, bewies der wortgewandte Satiriker mit seinem aktuellen „Best of“ im ausverkauften Kreativhaus . Die witzigsten Momente gelingen, wenn er mit Mimik, großen Gesten und Dialekt skurrile Alltagssituationen nachstellt. Etwa, wenn er sich in Köln verfährt und sofort einen auskunftsfreudigen „Kopp im Fenster“ hat. Die kölsche Dame schwärmt zwar von der Stadt („Die Severinsbrücke is ja so watt von schön!“) und hat auch sonst allerlei zu sagen, „weiß aber nichts“. Der Westfale „weiß auch nichts, aber er behält alles für sich“.

Philipzen selbst könnte locker einen Wettbewerb im Schnellsprechen gewinnen. In rasendem Tempo hangelt er sich von der Familie („Meine Frau kann am Schrei erkennen, ob ich auf Lego oder Playmobil getreten bin“) über die US-Wahlen („ Donald Trump wäre der erste amerikanische Präsident mit einem explodierten Eichhörnchen auf dem Kopf“) bis zum Fußball als „soziales Lagerfeuer“ – „Boateng und Özil haben es geschafft, den Schweinsteiger aus Bayern zu integrieren“. Zwischendurch jagt er zum Klavier, singt ein launiges „Fifa-Colonia“ oder ein schräges Liebeslied und ist schon wieder beim nächsten Thema.

Wenn Rechtspopulismus und Ausländerfeindlichkeit ins Rampenlicht rücken, werden die Töne ernst. „Die Realität geht flöten, sie wird von der Angst gefressen“, meint der Kabarettist und spricht davon, dass man die NPD im Gegensatz zur AfD wenigstens noch an Glatze und Baseballschläger habe erkennen können. „Da wusstest du: Hier ist die Evolution rückwärts gegangen.“ Witzig dagegen Satire zum Thema Erziehung („Heute hocken Eltern 21 Jahre in den Büschen“) oder digitaler Technik („Ich könnte per Knopfdruck von hier aus mein Fahrrad in Kinderhaus aufpumpen – wenn es da noch steht!“).

Knapp zweieinhalb Stunden reißt der Entertainer sein Publikum mit, lässt es Tränen lachen, macht aber auch nachdenklich. Trotz Witz und Parodie ist unverkennbar, dass es dem Künstler um etwas geht. Und sei es nur ein wenig Toleranz.

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