Gast aus Lublin „In Polen macht man sich Sorgen“

Münster -

Es knirscht in den deutsch-polnischen Beziehungen. Da kommt ein Austausch unter Freunden aus beiden Ländern zur rechten Zeit.

Von Dirk Anger
Freuten sich über den Besuch von Prof. Dr. Witold Matwiejczyk: Michaela Heuer (l., Vorsitzende des Fördervereins Münster-Lublin) und Gründungsmitglied Gisela Möllenhoff.
Freuten sich über den Besuch von Prof. Dr. Witold Matwiejczyk: Michaela Heuer (l., Vorsitzende des Fördervereins Münster-Lublin) und Gründungsmitglied Gisela Möllenhoff. Foto: da

Die „Klappstuhl-Connection“ hält bis heute: Als der junge polnische Student Witold Matwiejczyk aus Lublin beim Papstbesuch am 1. Mai 1987 auf dem Domplatz seinen mitgebrachten Stuhl einer ihm bis dahin unbekannten Münsteranerin zum Sitzen anbot, war dies der Anfang freundschaftlicher Kontakte. Die Verbundenheit zu den Familien Kliem und Möllenhoff in Münster besteht seitdem fort. Und fast 25 Jahre später ist der Student von damals dieser Tage wieder zu Gast in Münster – längst ein angesehener Geschichtsprofessor, der an der Katholischen Universität von Münsters Partnerstadt Lublin lehrt und rund um die Geschichte der Polen im Ruhrgebiet forscht.

So verbringt Matwiejczyk aktuell viel Zeit in Münsters Archiven, um die deutsch-polnischen Beziehungen im 19. und 20. Jahrhundert zu beleuchten. Doch ein Treffen mit Vertretern des Fördervereins Münster-Lublin darf auch bei dieser Visite nicht fehlen. Ohnehin wohnt der 54-jährige Historiker bei Gisela und Dr. Otto Möllenhoff, die dem Verein seit seiner Gründung verbunden sind.

Für die Vorsitzende des Fördervereins, Michaela Heuer, stellt der Besuch des Wissenschaftlers eine willkommene Gelegenheit zum Austausch unter europäischen Freunden dar. Der scheint aktuell auch nötig: Schließlich knirscht es angesichts der Flüchtlingsproblematik zwischen den Regierungen in Warschau und Berlin. Für Deutschland-Freund Matwiejczyk stellt dies indes keinen Anlass zur Beunruhigung dar: „In den gesellschaftlichen Beziehungen zwischen den Nachbarn hat sich nichts geändert.“ Gleichwohl verspürt der Gast aus Lublin, „dass Deutschland ein Zeichen der Solidarität von Polen erwartet“. Weil die politisch Verantwortlichen in Polen dazu nicht bereit seien, herrsche bei den Deutschen Enttäuschung vor, deutet Matwiejczyk die Situation. Aber: „In Polen macht man sich mehr Sorgen um Deutschland.“

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