Stellenplan 80 neue Mitarbeiter trotz hoher Schulden

Münster -

Immer mehr Mitarbeiter sind bei der Stadtverwaltung Münster beschäftigt, obwohl die eigentlich mit Blick auf die leere Haushaltskasse Personal­kosten einsparen muss.

Von Ralf Repöhler
Stadt Personalkosten einzusparen, stellt die Stadt neue Mitarbeiter ein, vor allem in der Ausländerbehörde im Stadthaus 2. 
Stadt Personalkosten einzusparen, stellt die Stadt neue Mitarbeiter ein, vor allem in der Ausländerbehörde im Stadthaus 2.  Foto: Matthias Ahlke

Für das laufende Jahr soll der Rat 53 Stellen als Teil des Nachtragshaushaltes genehmigen – ein Novum. Die Mehrkosten für 2016 liegen bei 1,9 Millionen Euro. „90 Prozent dieser Beschäftigten arbeiten im Flüchtlingsbereich“, bestätigt Personal­dezernent Wolfgang Heuer auf Anfrage. Acht Mitarbeiter werden im Ausländeramt eingesetzt, das wegen der plötzlichen Flüchtlingswelle an seine Grenzen stößt.

In den vergangenen beiden Jahren sind jeweils 100 Stellen neu geschaffen worden. Im kommenden Jahr sind 80 zusätzliche Stellen vorgesehen – mehr als die Hälfte in der Kinderbetreuung .

Stellenexpansion bei der Kinderbetreuung

Die Politik, die noch auf den gedruckten Stellenplan für das Jahr 2017 wartet, ist angesichts des aufgeblähten Personaltableaus alarmiert. „Angesichts einer drohenden Haushaltssicherung ist das eine fatale Entwicklung“, sagt ein Ratsmitglied. So ist seit dem Sommer entgegen der städtischen Finanzplanung bekannt, dass die Stadt wegen der prognostizierten Steuereinnahmen keine Schlüsselzuweisungen vom Land bekommt. Der Kämmerer hatte mit 27 Millionen Euro gerechnet.

Nachdem vor allem Mitarbeiter wegen der vielen Flüchtlinge gesucht wurden, geht im kommenden Jahr die Stellenexpansion im Bereich Kinderbetreuung weiter. „Das ist der Stellentreiber“, räumt Heuer ein. Ein Grund ist, dass die Stadt bei der Ganztagsbetreuung zu wenig soziale Träger findet und viel zu häufig selbst ins Boot muss. In den vergangenen beiden Jahren gab es zudem deutlich mehr Personal bei der Feuerwehr . Aufgrund einer europaweiten Rechtsprechung zum 48-Stunden-Dienst mussten 32 neue Stellen geschaffen werden.

Deutliche Steigerung im Personalbudget

Hinzu kommt, dass die Tarifverhandlungen und Besoldungsgesetze zu Abschlüssen geführt haben, die eine deutliche Steigerung im Personalbudget der Stadt verursachen. „Die höheren Abschlüsse im öffentlichen Dienst machen sich im Haushalt bemerkbar“, bestätigt Heuer. Die Verwaltung suche nach Wegen, die Kostendynamik zu bremsen. Konsolidierungsprogramme sollen abgearbeitet werden, neue Sparprogramme seien in Vorbereitung. Gleichwohl: „Eine durchgreifende Reduzierung der Kosten ist nur möglich, wenn die Stadt auf bestimmte Aufgaben verzichtet und sich von Leistungen verabschiedet“, sagt Heuer.

Bei der Stadt sind insgesamt 4600 Planstellen wegen der vielen Teilzeitkräfte auf 6000 Köpfe verteilt. Für die Verwaltung arbeiten 1100 Beamte, 2400 Angestellte und 1100 Mitarbeiter bei den städtischen Eigenbetrieben.

Digitalisierung

Den Personalausweis per  Laptop beantragen, das Aufgebot mit dem Smartphone bestellen. Wie wirkt sich die Digitalisierung in der Zukunft auf den Stellenplan der Stadt aus? Personaldezernent Wolfgang Heuer geht davon aus, dass die Digitalisierung zu einem Stellenabbau führt, wenn Behördengänge ausfallen. Aktuell bildet die Stadt massiv aus, 200 Auszubildende lernen 29 unterschiedliche Berufe kennen. Im August haben 46 Auszubildende und Studierende bei der Verwaltung angefangen. „Wir wollen die jungen Kollegen an die Stadt binden, um die Fluktuation der kommenden 15 Jahre ­decken zu können“, sagt Heuer. Dabei werde es nicht einfacher, geeignete Bewerber zu finden. „Auch wir leiden unter den hohen Wohnungskosten“, sagt er.

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