Langjährige Leiterin der Stasi-Unterlagenbehörde an Marienschule Gegen das Vergessen

Münster -

Die engagierte Bürgerrechtlerin und langjährige Leiterin der „Stasi-Unterlagen-Behörde“ war zu Gast an der Marienschule. Sie las nicht nur aus ihrer Biographie, sondern diskutierte auch mit Schülerinnen.

Von Maria Conlan
Die Marienschülerinnen (v.l.) Felicitas Hüffer und Gesa Jüngst (Schülervertretung) diskutierten mit Marianne Birthler.
Die Marienschülerinnen (v.l.) Felicitas Hüffer und Gesa Jüngst (Schülervertretung) diskutierten mit Marianne Birthler. Foto: con

„Lernen selbstständig zu denken und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen“ – so werden Kinder fit für die Zukunft, ist Marianne Birthler überzeugt. Die engagierte Bürgerrechtlerin und langjährige Leiterin der „ Stasi-Unterlagen-Behörde “ las vor über 170 Interessenten aus ihrer Biografie „Halbes Land. Ganzes Land. Ganzes Leben“. Am Donnerstagabend war sie Gast der Veranstaltungsreihe „ Marienschule im Dialog“ in die Schulaula.

Im Anschluss gab es ein Podiumsgespräch mit den Schülervertreterinnen Felicitas Hüffer und Gesa Jüngst, Elternvertreter Gerald Müller und Schulleiter Arno Fischedick.

Schwierige Schulzeit

Die Berlinerin Birthler begann mit ihren persönlichen Kindheitserinnerungen in den 1950er-Jahren. Sie las von kratzenden Wollstrümpfen und Zinkbadewannenbad. Schwierig war die Schulzeit als Tochter regierungskritischer Eltern. Sie konnte Abitur machen, studierte Außenhandelswirtschaft, heiratete einen Tierarzt, bekam drei Töchter. Nach der Scheidung zog sie zurück nach Berlin und wurde evangelische Katechetin.

Birthler beschrieb das Wachsen des politischen Widerstands in der DDR von den kleinen Anfängen bis zum Mauerfall .

Sie erlebte auch im Freundeskreis Auswanderungen in den Westen und bei sich das Gefühl einer „freiwillig Gefangenen“, die sich für ihren Verbleib in der DDR rechtfertigen musste.

Bekenntnis zur Freiheitsliebe

Die Kirche spielte zunächst eine bescheidene Rolle am Rande der DDR-Gesellschaft mit maximal 25 Prozent Christen. Allmählich boten einzelne Kirchengemeinden Räume für Gesprächsgruppen. Birthler sprach von „politischer Diakonie“, wo Bürger demokratische Eigenschaften wie Debattieren und Übernehmen von Eigenverantwortung einüben konnten. 1989 kam es zur Öffnung durch eine „Explosion von Kraft und guter Laune. Der Damm war gebrochen“. Erst bei der Fragerunde mit dem Publikum kam ihre Rolle als Leiterin der Stasi-Unterlagen-Behörde zur Sprache, was im Buch zwei Kapitel umfasst.

Als sie eine Erziehung zur Menschenwürde schon im Kleinkindalter forderte, erntete sie spontanen Applaus. Angesprochen auf den aktuellen Rechtsruck forderte Marianne Birthler ein Bekenntnis zur Freiheitsliebe.

Die Frage, ob es in einem diktatorischen Regime erlaubt sei, Widerstand zu leisten und dadurch eigene Kinder in Mitleidenschaft zu ziehen, blieb offen.

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