Manfred Schneider legt sein Amt nieder Abschied vom Glockenspieler

Münster -

Manfred Schneider ist ein Original: Den freundlichen Mann mit der Baskenmütze kennt fast jeder – auch wenn seine aktive Zeit als Münsters bekanntester Buchhändler schon länger zurückliegt. Nach 15 Jahren legt der 75-Jährige jetzt auch sein Amt als städtischer Glockenspieler nieder. Schade.

Von Lukas Speckmann
Klingeling, die Amtswechsel ist vollzogen: Manfred Schneider, Träger des „Silbernen Rathauses“ (am Revers) legt das Amtsglöckchen nieder. Karin Schneider-Seidel und Oberbürgermeister Markus Lewe sind vom Klang entzückt.
Klingeling, die Amtswechsel ist vollzogen: Manfred Schneider, Träger des „Silbernen Rathauses“ (am Revers) legt das Amtsglöckchen nieder. Karin Schneider-Seidel und Oberbürgermeister Markus Lewe sind vom Klang entzückt. Foto: Oliver Werner

Das Glockenspiel im Stadthausturm verfügt über 14 Glocken. Klingt nach viel – ist aber wenig im Vergleich zu den 88 Tasten eines normalen Klaviers. Wer mit nur 14 Glocken schöne Musik machen will, zweistimmig womöglich, muss ein Könner sein. Einer wie Manfred Schneider .

Wie schade also, dass Manfred Schneider jetzt aufhört! 2001 wurde das Glockenspiel im Stadthausturm in Betrieb genommen, und seitdem gab der „Münsterische Glockenspieler e.h.“ von seinem Turmstübchen aus nicht weniger als 80 Konzerte. Glockenklang zum Tag des Westfälischen Friedens, zum Lambertusfest und zum Koninginnedag , aber auch zu Mozarts 250. Geburtstag – oft genug blieben die Passanten auf dem Prinzipalmarkt stehen und hörten zu. Und manchmal sangen sie auch mit.

Vor Kurzem ist Schneider, Münsters ehedem berühmtester Buchhändler, 75 Jahre alt geworden, er möchte kürzertreten. Und schwenkt zum Abschied in der Rüstkammer des Rathauses das kleine Tischglöcklein, das aus derselben Gießerei stammt wie die Glocken am Turm. Das Glöckchen ist Zeichen der Würde des städtischen Glockenspielers – im Grunde ebenso wie die typische Manfred-Schneider-Baskenmütze, die Fliege, der Schnurrbart und die Brille. Ersteres übergab er beim Festakt an seinen Nachfolger Josef-Erhard („James“) Schäfer . Alles andere behält er.

Und bekommt sogar noch etwas obendrein: das „Silberne Rathaus“ für seinen jahrelangen Einsatz zum Wohle des Gemeinwesens. Oberbürgermeister Markus Lewe ist des Lobes voll: Der Glockenklang gehöre zu den wichtigen immateriellen Gütern der Stadt und trage zur Unverwechselbarkeit Münsters bei, zum Heimatgefühl, zur Urbanität. Erst recht, wenn er von Manfred Schneider am Keyboard-Spieltisch produziert wird: „Das gibt es nirgendwo anders auf der Welt. Nicht mal in Nottuln oder Havixbeck.“

James Schäfer tritt in große Fußstapfen. Der 65-jährige Postbeamte a.D. und Organist der Jakobuskirche zeigt am Sonntag (2. Oktober), dass auch er mit den 14 Glocken im Stadthausturm umgehen kann. Er gibt ein Konzert zum Tag der Deutschen Einheit mit nicht weniger als 14 Liedern. Pro ­Glocke eines. Beginn ist gegen 12 Uhr. Sollte das Angelus­geläut der Kirchen noch klingen, wird sich der städtische Glockenspieler selbstverständlich ein paar Minuten gedulden.

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