16-Jährige leitet die WWU Gianna Elif Moncorps ist Rektorin für einen Tag

Münster -

In wenigen Tagen übergibt Prof. Ursula Nelles ihr Rektorenamt an ihren Nachfolger Prof. Johannes Wessels. Zuvor lässt sie sich jedoch noch einmal kurz vertreten: von der 16-jährigen Gianna Elif Moncorps. Die ist nämlich „Chefin für einen Tag“ an der Universität.

Von Lukas Speckmann
Gianna Elif Moncorps durfte am Mittwoch für einen Tag die Geschicke der Universität Münster leiten – die Aktion „Chef für einen Tag“ machte es möglich.
Gianna Elif Moncorps durfte am Mittwoch für einen Tag die Geschicke der Universität Münster leiten – die Aktion „Chef für einen Tag“ machte es möglich. Foto: Oliver Werner

Der Schreibtisch von Prof. Ursula Nelles ist rosa; zumindest seine gläserne Tischplatte. Gianna Elif Moncorps zeigt sich beeindruckt – und hält doch selbstbewusst Distanz: „Ich bin nicht so der Rosa-Typ“, sagt sie lächelnd, „ich bevorzuge gedeckte Farben.“

In der Tat: Für ihren großen Tag als Rektorin der Westfälischen Wilhelms-Universität hat sich die 16-jährige Gymnasiastin so dezent in Schale geworfen, als wäre die Leitung eines börsennotierten Unternehmens oder einer Kabinettssitzung ihr täglich Brot. Gianna Elif Moncorps kennt die Spielregeln: Ihre Umgangsformen sind makellos, ihr Deutsch ist druckreif und ihr Auftreten so souverän, dass es selbst ihrem Adjutanten, dem mit allen Wassern gewaschenen Uni-Sprecher Norbert Robers, mitunter die Sprache verschlägt. Ja, Gianna kann Chefin. Das merkt man sofort.

Sie hätte noch ganz andere Firmen übernehmen können: Thyssen-Krupp , Signal-Iduna, die Deutsche Fußball-Liga und ähnliche. In einem langwierigen Verfahren, an dem sich ihr von Dr. Roman Böckmann geleiteter Sowi-Leistungskurs am Annette-Gymnasium beteiligt hatte, war Gianna Elif Moncorps von einer Frankfurter Personalagentur für die Aktion „Chef für einen Tag“ ausgewählt worden. Die münsterische Universität war für sie „definitiv“ ein Traumziel: offen, international, vielfältig. Und so übernimmt sie als dritte Schülerin nach Anna Haarmann (2010) und Kristina van Vorst (2011) die Geschäfte am rosa Schreibtisch. Keine Chance, an einem Tag alles zu sehen. Also empfiehlt die scheidende Rektorin Ursula Nelles, übrigens selbst früher Annette-Gymnasiastin, ein Programm, das einen Eindruck von der Vielfalt ihres Jobs vermittelt. Dienstgespräch mit Schlüsselübergabe, Dezernentenrunde mit Brandschutzplan und Konferenzvorbereitung, Bibliotheksbesprechung, Pressekonferenz, Podiumsdiskussion – und als Höhepunkt die Verabschiedung einiger verdienter Professoren in den Ruhestand; das machen die beiden Rektorinnen ausnahmsweise zusammen. Die Vorzüge eines holzgetäfelten Büros, einer fremdgesteuerten Dienstlimousine und der Anrede „Ew. Magnifizenz“ sind allenfalls schmückendes Beiwerk eines aufregenden, rauschenden Tages.

Ist die Cheferfahrung ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum späteren Beruf? „Ich habe viele Interessen“, sagt Gianna Elif Moncorps. Kunst und Musik, aber auch Naturwissenschaften und Journalismus kämen für sie in Betracht. Und wie wäre es mit einer Laufbahn an der Uni? „Ja, das wäre was für mich. Man hat ja auch viel mit Studierenden zu tun . . .“

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