Präsident des Bundesverwaltungsgerichts wünscht Zurückhaltung Talkshows sollten für Richter tabu sein

Münster -

Strafprozesse schreiben Schlagzeilen, bewegte Bilder aus Gerichtssälen sind im Fernsehen gefragt wie nie – das Verhältnis zwischen Justiz und Medien stellt sich in den Augen des renommierten Juristen Prof. Dr. Klaus Rennert als „kompliziert und spannungsreich“ dar.

Von Dirk Anger
Klaus Rennert 
Klaus Rennert  Foto: Oliver Werner

Aus diesem Grund warnt der Präsident des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig seine Richter-Kollegen ausdrücklich davor, der „Verfügungsmacht der medial verstärkten Öffentlichkeit“ zu erliegen. Es sei nicht Aufgabe der rechtsprechenden Gewalt, den „Erwartungen der vierten Gewalt zu entsprechen“, so der 61-Jährige anlässlich eines Vortrags in Münster . Die Ziele beider sind nach den Worten von Rennert „grundverschieden“. Während es den Medien um „Schnelligkeit und Aufmerksamkeit“ gehe, bemühe sich die Justiz „um Genauigkeit und Differenzierung“, skizziert einer der höchsten deutschen Richter das Spannungsfeld aus seiner Sicht. „Die Begegnung ist heikel.“

Doch die Ehe müsse nicht scheitern, folgert Rennert. Voraussetzung dafür sei die „gründliche Kenntnis des jeweils anderen“, erinnert der Gerichtspräsident an Rolle und Aufgabe beider Seiten. Das bedeutet nach Rennerts Worten aber, darauf zu verzichten, die „Justiz in die Gesetzmäßigkeit der medialen Welt zu überführen“. Für Richter sollten beispielsweise „ Talkshows tabu sein“, meint der Präsident des Leipziger Gerichts. Ein Richter, der sich in eine Talkshow begebe, komme dabei um und damit die ganze Justiz, so seine Warnung. Der Top-Jurist appelliert an die Zurückhaltung seiner Kollegen Dazu gehöre auch, keine öffentliche Urteilsschelte zu betreiben. „Der Richter spricht durch sein Urteil oder er spricht nicht“, schreibt er seinen Kollegen ins Stammbuch. Eine Aussage, der gleichwohl die Präsidentin des nordrhein-westfälischen Verfassungsgerichtshofs nicht in aller Konsequenz folgen mag. Schließlich müsse es Richtern auch darum gehen, der Öffentlichkeit zu erklären, wie Urteile zu verstehen seien, so Dr. Ricarda Brandts.

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