Tempo 30 Kein Allheilmittel: Wirtschaft warnt vor zu viel Restriktionen

Münster -

Um das heiße Eisen „Tempo 30“ in Münsters Innenenstadt ging es nun bei einer Diskussion, zu der die FDP eingeladen hatte. Es ging kontrovers zur Sache.

Von Klaus Baumeister
Tempo-30-Zonen wie hier an der Augustastraße hält die Wirtschaft für gut, nicht aber Tempo 30 auf wichtigen Straßen.
Tempo-30-Zonen wie hier an der Augustastraße hält die Wirtschaft für gut, nicht aber Tempo 30 auf wichtigen Straßen. Foto: Matthias Ahlke

Den ersten Szeneapplaus gab es, als der IHK-Verkehrsexperte Joachim Brendel einen Verdacht äußerte: Der Lärmaktionsplan werde doch als „Instrument genutzt, um den Autoverkehr in Münster weiter zu reglementieren“.

Nun muss man dazu sagen, dass in Publikum vorzugsweise FDP-Mitglieder saßen. Oder zumindest Menschen, denen die FDP nicht unsympathisch ist. Sei es drum: Die FDP diskutierte am Montagabend über das Konzept der Stadt Münster, mit dem Ziel einer Lärmreduzierung in Teilen der Innenstadt Tempo 30 einzuführen.

Widerspruch bei Moltkestraße

Selbst über die Begrifflichkeiten wurde dabei – fair im Ton, aber kontrovers in der Sache – gestritten. So sprach Thomas Harten von der Handwerkskammer Münster von einer „Tempo-30-Zone“, die in der City eingeführt werden solle und die es Handwerkern schwer mache, „ihre Kunden zu erreichen“.

Der Leiter des Umweltamtes, Heiner Bruns entgegnete, dass auf einzelnen Straßen „im Netz“ Tempo 30 modellhaft eingeführt werden solle. Das sei aber keine Zone.

Gleichwohl gab es Widerspruch von Brendel und Harten. Wenn der Lärmschutz für Anwohner doch das höchste Ziel sei, so ihr Argument, warum dann Tempo 30 an der Moltkestraße, an der Bahnhofstraße und an der Eisenbahnstraße, „obwohl doch dort nur wenige Menschen leben“.

Tempo-Reduzierung als preiswertes Mittel

Bruns entgegnete, dass die Auswahl der in Frage kommenden Straßen erfolgt sei nach einem genauen Punktsystem, in das unter anderem die Zahl der Anwohner eingeflossen sei. Einigkeit herrschte in der Einschätzung, dass Tempo 30 auf Teilen der Verkehrsachse zwischen Schlossplatz und Mauritztor sinnvoll sei, ferner auf dem nördlichen Teil der Hammer Straße.

Im Grundsatz hielt Umweltamtsleiter Bruns fest, dass Tempo-Reduzierungen das preiswerteste Mittel seien, um Lärmbelastungen zu verringern. IHK-Experte Brendel verwies im Gegenzug auf eine Umfrage, nach der die Klagen über Lärmbelastungen in vergleichbaren Großstädten viel häufiger seien als in Münster.

Bruns entgegnete, dass man sehr wohl Belastungen reden könne, die City-Bewohner hinzunehmen hätten. Die Grenze sei aber dann erreicht, „wenn wir über Belastungswerte reden, die nachweislich die Gesundheit gefährden.“ Dann müsse die Stadt reagieren.

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