Stadthaus-Sanierung Zehn Millionen teurer als geplant - Angst vor der Kostenexplosion

Münster -

38,5 Millionen Euro sind mittlerweile für die Sanierung des Stadthauses 1 veranschlagt - wenn der Rat am Mittwoch zustimmt. Permanent nachträgliche Eingriffe sind Schuld an den Mehrkosten. Auslöser für die Debatte ist eine barrierefreie Toilette.

Von Ralf Repöhler
Das Stadthaus 1 soll ab Januar 2017 komplett saniert werden. Die Maßnahme erstreckt sich über die verschiedenen Bauteile bis zum Jahr 2020. Die Baukosten sind nach dem aktuellen Stand mit 38,5 Millionen Euro veranschlagt. In den Jahren 2011 und 2012 ging man noch von 28,5 Millionen Euro aus.
Das Stadthaus 1 soll ab Januar 2017 komplett saniert werden. Die Maßnahme erstreckt sich über die verschiedenen Bauteile bis zum Jahr 2020. Die Baukosten sind nach dem aktuellen Stand mit 38,5 Millionen Euro veranschlagt. In den Jahren 2011 und 2012 ging man noch von 28,5 Millionen Euro aus. Foto: Matthias Ahlke

Eigentlich ist es eine Petitesse. Eine Ergänzungsvorlage über eine barrierefreie Toilette erreicht den Rat kurz vor seiner Sitzung am Mittwoch. Für SPD-Fraktionschef Dr. Michael Jung ist das späte Schreiben der Verwaltung ein Beleg dafür, dass es bei der millionenschweren Sanierung des Stadthauses 1 permanent nachträgliche Eingriffe in die grundsätzliche Bauplanung gibt.

„Spätere Veränderungen und politische Eingriffe in die Planung lassen die Kosten explodieren“, verweist Jung auf viele Beispiele bei öffentlichen Bauten der jüngeren Vergangenheit. „Wir waren anfangs mal bei unter 30 Millionen Euro . Wenn das mit dem Stadthaus so weitergeht, laufen uns die Kosten komplett aus dem Ruder.“

Zwei Millionen Euro teurer als vor dem Sommer

Über den Sommer ist die Sanierung des renovierungsbedürftigen Verwaltungsgebäudes im Herzen der Stadt rund zwei Millionen Euro teurer geworden. 38,5 Millionen Euro sind nun veranschlagt, sollte der Rat am Mittwoch zustimmen.

Grund sind verschiedene Maßnahmen wie elektronische Schließanlagen und eine Treppe im Bürgerservicezentrum , die aus Sicht der Verwaltung nachträglich erforderlich seien. Dazu kommen Ideen wie ein Aufzug, der zum Stadthaussaal führen soll, oder der separate Zugang von der Heinrich-Brüning-Straße zur bald extern vermarkteten Kantine im Stadthausturm .

Für den CDU-Fraktionsvorsitzenden Stefan Weber sind die Punkte mit Blick auf die zusätzlichen Kosten „ärgerlich, in ihrer Begründung aber plausibel“. Das schwarz-grüne Mehrheitsbündnis trägt die Mehrkosten von 1,8 Millionen Euro mit, weil nachträgliche Bauinvestitionen wohl noch teurer wären, sagt Grünen-Fraktionschef Otto Reiners. „Wir hatten aber in der Tat anfangs deutlich niedrigere Kosten. Einen Flughafen Berlin brauchen wir in Münster nicht“, warnt Reiners.

Möglicherweise weitere Kosten

Ähnlich wie die SPD vermisst auch die FDP-Fraktion eine transparente Baukostensteuerung. „Es werden permanent Wünsche geäußert, die zum Teil nachvollziehbar sind, aber sich in der Summe läppern“, warnt Fraktionsvorsitzende Carola Möllemann-Appelhoff . Die Liberalen, die sich bislang enthielten, werden am Mittwoch gegen die zusätzlichen Kosten bei der Stadthaus-Sanierung votieren. „Wenn wir nun zustimmen, sitzen wir in der Falle“, beklagt sie ein fehlendes Kostenbewusstsein.

Der städtische Projektleiter Siegfried Methner sagt, dass Planung ein Prozess sei. „Man steigt tiefer ein und entdeckt Punkte, die wir sofort offen auf den Tisch gelegt haben“, betont er. Die Hand will der Experte nicht dafür ins Feuer legen, dass keine weiteren Kosten entstehen. „Unwägbarkeiten lassen sich nie absehen, beim Umbau im bestehenden Gebäude sowieso nicht“, sagt Methner. 

Die zusätzlichen Baumaßnahmen

1,8 Millionen Euro plant die Verwaltung zusätzlich in die Stadthaus-Sanierung zu stecken. Darunter seien bauliche Erfordernisse wie eine elektronische Schließanlage für Sonderbereiche, eine Treppe im Bürgerservicezentrum, der Ausbau des Standesamtes/Filialräume der Ämter sowie technische Standards wie eine Löschhilfeanlage im Stadthaussaal. Dazu werden ein Aufzug zum Stadthaussaal, ein separater Zugang zur Kantine an der Heinrich-Brüning-Straße sowie die Erneuerung der WC-Anlagen in den Läden vorgeschlagen.

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