Brauerei wird 200 Pinkus-Jubiläum ganz ohne Altbier

Münster -

Pinkus Müller gibt es in Münster seit 200 Jahren: Mit einem Empfang im Friedenssaal und dem Eintrag ins Goldene Buch bedankte sich die Stadt Münster bei der Traditionsbrauerei für ihre 200-jährige Standorttreue. Altbier gab es dabei nicht zu trinken.

Von Ralf Repöhler
In das Goldene Buch der Stadt Münster trugen sich Barbara Müller, ihr Mann Friedhelm Langfeld sowie ihre Kinder ein.
In das Goldene Buch der Stadt Münster trugen sich Barbara Müller, ihr Mann Friedhelm Langfeld sowie ihre Kinder ein. Foto: Matthias Ahlke

Der Goldene Hahn im Rathaus hätte an dieser Stelle gerne laut gekräht, wenn er es bloß könnte. Denn sein Bauch war mit Riesling und eben nicht mit Bier gefüllt, um auf das 200-jährige Jubiläum der münsterischen Traditionsbrauerei Pinkus Müller anzustoßen.

Oberbürgermeister Markus Lewe reichte am Montagnachmittag den Trunk an Wirtin Barbara Müller und ihren Mann Friedhelm Langfeld und erklärte, dass es bei dieser starren Rathaus-Regel kein Pardon gebe. „Auch wenn es für eine Brauer-Familie vielleicht eine Zumutung ist, Wein aus dem Goldenen Hahn zu trinken.“ Eine Ausnahme habe es beim Dalei Lama gegeben, der keinen Alkohol trinkt und grünen Tee im Hahn hatte. Für Pinkus indessen floss kein Altbier .

200 Jahre Familientradition

Es war im Jahr 1816, als Johannes Müller aus Hildebrandshausen im Eichsfeld nach Münster kam, wo er zusammen mit seiner Frau Friederika Cramer eine Altbierbrauerei und Bäckerei samt Schokoladenfabrikation in der Kreuzstraße betrieb. Angesichts der Historie stand beim Jubiläumsempfang mit den Kindern Luka, Johann, Jule und Claus die siebte Generation der Müllers im Friedenssaal. „Eine so lange und erfolgreiche Familientradition gibt es auch in Münster ganz selten“, unterstrich Lewe die Bedeutung des besonderen Firmenjubiläums. Von den 150 Altbierbrauereien, die es einmal in Münster gab, ist nur eine übriggeblieben: Pinkus Müller.

In Würdigung des langen Engagements in der Stadt und der 200-jährigen Standorttreue überreichte der OB die silberne Rathaus-Gedenkmünze an Barbara Müller, bevor sich die Familie in das Goldene Buch der Stadt eintrug. Übrigens auf der Seite vor dem jordanischen König, der sich dort verewigen wird, wenn er am 8. Oktober den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens überreicht bekommt.

Bio-Bier seit 1978

Zurück zu Pinkus Müller: Um das Traditionshaus im Herzen des Kuhviertels, wo überall ein Stück des alten Münsters spürbar sei, ranken sich laut Lewe „die tollsten Geschichten“. Viele davon um Namensgeber Pinkus, einem münsterischen Original, der dreimal in Folge Karnevalsprinz war. Sein Sohn Hans hatte 1978 den ersten Sud mit Malz aus biologischem Anbau eingemaischt, was anfangs belächelt und dann zum großen Renner wurde. Tochter Barbara Müller stieg 1988 in die Geschäftsführung ein. Heute stellt Pinkus Müller 15 Biersorten her, „1816“ heißt der Jubiläums-Sud. 15 Mitarbeiter arbeiten in der Brauerei.

Tradition und Innovation stehen sich laut Lewe nicht im Weg – Pinkus Müller sei der beste Beweis dafür. Mit Qualität, Herzblut und Familienzusammenhalt habe die Traditionsbrauerei, die Träger des Wirtschaftspreises der Stadt Münster ist, ein Nischenprodukt entwickelt, das ein Stück Münster atme und durchaus ein Exportschlager ist. So hat der OB „sein Pinkus“ schon in Rom und in New York getrunken.

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