Neues Hochhaus am Hauptbahnhof Streit um hohe Mieten: Winkelzug von Architekt wird geprüft

Münster -

Hohes Haus, hohe Mieten? Investor Andreas Deilmann sagt, er habe bei dem Hochhaus-Neubau am Hauptbahnhof - wie gefordert - 40 Wohnungen für 8,50 Euro vermietet. Bloß: Der Mieter ist die Firma seiner Frau. Und die verlangt ganz offenbar deutlich höhere Preise.

Von Dirk Anger
Die Vermietung der Wohnungen in dem Neubau am Bahnnof ist angelaufen – allerdings herrschen in der Politik Zweifel, ob tatsächlich ein Viertel der Wohnungen – wie vereinbart – günstiger vermietet wird.
Die Vermietung der Wohnungen in dem Neubau am Bahnnof ist angelaufen – allerdings herrschen in der Politik Zweifel, ob tatsächlich ein Viertel der Wohnungen – wie vereinbart – günstiger vermietet wird. Foto: Matthias Ahlke

Eigentlich könnte Architekt und Investor Andreas Deilmann ganz zufrieden sein: „Wir haben voll vermietet“, sagt der Bauherr des Hochhauses am Bahnhof, wo früher das alte Metropolis-Kino stand. Alle 130 Wohnungen auf 13 Etagen hat die Berliner Platz GmbH & Co KG nach eigenen Angaben an zwei weitere Gesellschaften vermietet. Doch ob 25 Prozent der gesamten Wohnfläche tatsächlich für eine Kaltmiete von 8,50 pro Quadratmeter vermietet werden, so wie es der Vertrag zwischen Bauherr und Stadt vorsieht, wird unter Münsters Kommunalpolitikern durchaus bezweifelt.

Vermietet an die Firma der Frau

Anlass für diese Zweifel bieten einschlägige Immobilienanzeigen, die für den Berliner Platz 39 werben: Dort werden beispielsweise 58 Quadratmeter große Wohnungen mit einer Kaltmiete von 900 Euro angeboten; für betreutes Wohnen auf 30 Quadratmetern soll die Kaltmiete laut Anzeige gar 950 Euro pro Monat betragen. Darauf hat Grünen-Fraktionschef Otto Reiners die Stadt schon vor zehn Tagen hingewiesen und nachgefragt, ob alles mit rechten Dingen zugehe.

Architekt Deilmann, der zusammen mit seinem Kollegen Rainer M. Kresing als Geschäftsführer der Gesellschaft und Bauherr fungiert, hält die mit der Stadt vereinbarte Quote gleichwohl für erfüllt. Man habe 40 Wohnungen für 8,50 Euro an die Tina Deilmann GmbH für „Betreutes Wohnen“ vermietet. Das entspreche sogar mehr als 30 Prozent der Gesamtfläche, betont Deilmann auf Nachfrage. Dass es sich dabei um die Gesellschaft seiner Ehefrau handelt, will der Investor indes nicht weiter kommentieren.

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Das ist alles sauber, mehr kann man nicht machen.

Bauherr Andreas Deilmann

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Diese Tatsache ruft inzwischen aber auch die Stadtverwaltung auf den Plan: „Die Verwaltung klärt derzeit juristisch, ob auch die Mieterin Tina Deilmann GmbH an die vertragliche Mietobergrenze von 8,50 Euro gebunden ist“, heißt es am Montag auf Nachfrage aus dem Amt für Stadtentwicklung- und planung. Für Andreas Deilmann steht indes fest: „Das ist alles sauber.“

Auch zu der zweiten Firma, die den größten Teil der Wohnungen im 13-stöckigen Metropolis-Hochhaus vermietet, gibt es familiäre Beziehungen: Die D-Partments GmbH, deren Gesellschafterin eine Tochter Deilmanns ist, bietet Wohnen inklusive Einbauküche für rund 15 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete an.

Nicht der erste Streit um Sozialwohnungen 

Erst kürzlich lagen Deilmann und Kresing mit der Politik beim Thema Wohnungen schon einmal über Kreuz: Auf einem Areal im Bereich der ehemaligen Osmo-Hallen stritten sie mit Ratsmitgliedern über die Bezugsgröße bei der Schaffung von Sozialwohnungen .

Zu wenig Sozialwohnungen

Die Zahl der bezugsfertigen Sozialwohnungen hat 2015 einen – im Vergleich zu den Vorjahren  –  absoluten Tiefstand erreicht. Konkret konnten 83 Sozialwohnungen bezogen werden. Zum Vergleich: 2014 waren es 284, 2012 waren es 273, in den beiden Jahren davor immerhin noch knapp 200. Nach Auskunft der Leiterin des städtischen Wohnungsamtes, Gabriele Re­genitter, war der Rückgang ersichtlich, weil 2014 lediglich für 58 Wohnungen die öffentliche Mittel abgerufen wurden. Für das laufende Jahr 2016 versprach Regenitter einen besseren Wert, zumal in 2015 für immerhin 153 Wohnungen die Mittel abgerufen wurden. Regenitter bestätigte, dass es immer mal wieder Schwankungen bei der Fertigstellung von Sozialwohnungen gebe. Gemessen an der hohen politischen Priorität, die das Thema „Bezahlbarer Wohnraum“ in Münster genieße, seien die 83 Wohnungen aber „eindeutig zu wenig“. Die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit sei nicht mehr wegzudiskutieren. Das von der Stadt Münster selbst gesteckte Ziel lautet 300 Sozialwohnungen pro Jahr. Diese Quote wurde 2015 gerade einmal zu 28 Prozent erfüllt.

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