Konzert der Alten Philharmonie mit Elisabeth Fürniss Jubel für „Pseudokomödie“ und Entdeckungen

Münster -

Es war ein schöner Zufall, dass mit der Sinfonie Nr. 9 das Werk eines Geburtstagskindes auf dem Programm stand. Denn ihr Schöpfer heißt Dimitrij Schostakowitsch, der just am vergangenen Sonntag 110 Jahre alt geworden wäre, als die Alte Philharmonie Münster unter Leitung von Thorsten Schmid-Kapfenburg in der Aula der Waldorfschule ihr umjubeltes Jahreskonzert gab.

Von Michael Schardt
Begeisterung für die Solistin Elisabeth Fürniss (Violoncello) und das Orchester Alte Philharmonie unter Leitung von Thorsten Schmid-Kapfenburg
Begeisterung für die Solistin Elisabeth Fürniss (Violoncello) und das Orchester Alte Philharmonie unter Leitung von Thorsten Schmid-Kapfenburg Foto: Michael Schardt

Die „ Pseudokomödie “, wie der Tonsetzer seine im August 1945 entstandene, Stalin kritische Schöpfung ironisch nannte, bildete den begeisternden Schlusspunkt eines zweieinhalbstündigen Programms und war zugleich die einzige geläufige Komposition. Zuvor wurden unbekanntere oder selten dargebotene Stücke des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts gespielt.

Zu Beginn wurde mit Hans Rott ein früh Verstorbener gespielt, der Lieblingsschüler von Anton Bruckner am Wiener Konservatorium gewesen sein soll. Dessen „Pastorales Vorspiel“, das en detail an frühe Schöpfungen Gustav Mahlers erinnert, war (wie sein gesamtes Schaffen) zu Lebzeiten unaufgeführt geblieben. Leise beginnend, schreitet das kurze Stück langsam weiter und steigert sich zum jubilierenden Gestus.

Es folgte das Konzert für Cello und Orchester des weitgehend vergessenen Robert Volkmann. Als Solistin zog Elisabeth Fürniss die Zuschauer in der ausverkauften Aula in ihren Bann, wobei das Stück trotz einer einprägsamen Hauptmelodie erst nach und nach eingängig wird. Viel Applaus gab es, als das Cello nach einer bewegten Schlussphase in sanften Tönen langsam verstummte.

Dann gab es – auch für den Dirigenten – eine Überraschung. Ohne Absprache mit dem Kapellmeister hatte Fürniss mit dem Orchester heimlich ein paar Zugaben eingeübt. Das sechzig Sekunden dauernde „Lamento“ von Thorsten Schmid-Kapfenburg gehörte dazu, und wunderbar passend danach die „Waldesruh“ von Antonin Dvorák. Zusammen würden diese Stücke gespielt, so die Cellistin, weil derjenige, der laut klage (lamentiere), Chancen habe, Trost zu finden.

Später wurde mit der holländischen Rhapsodie „Piet Hein“ des Niederländers Peter van Anrooy eine weitere Wiederentdeckung vorgestellt – und eben die Neunte von Schostakowitsch.

Sehr viel Applaus.

http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4332197?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F