Freiwilligentag Überall in der Stadt wird angepackt

Münster -

Am Samstag wurde gemeinsam gestrichen, gesungen, gepflanzt und Rollstühle gewienert. In 40 Projekten engagierten sich viele Münsteraner, darunter auch Flüchtlinge, für andere Menschen.

Von Klaus Baumeister

Holger Lühring arbeitet als Koch. Da er erst am Nachmittag zum Dienst erscheinen muss, geht er „zwei bis drei Mal in der Woche“ vormittags zum Obdachlosentreff an der Clemenskirche und hilft dort. Jetzt an diesem Samstag legt Lühring eine Extraschicht ein. Aus Anlass des Freiwilligentages soll der Treff neu gestrichen werden – statt einem zarten Orange soll es künftig ein helles Grün sein. Sehr zur Freude von Martina Kreilmann: „Das ist genau das Grün der Freiwilligenagentur“, so die Leiterin dieser Agentur. Sie ist zusammen mit Sozialdezernentin Cornelia Wilkens vorbeigekommen, um zu schauen, wie die Arbeit läuft.

Wilkens ist voll des Lobes für das achtköpfige Team, das gerade die Fußböden abklebt und die Farbe rührt. „Hier zeigt sich ein großartiges Bürgerengagement für unsere Stadt.“

Der Obdachlosentreff an der Clemenskirche ist eines von 40 Projekten, die an diesem Tag mit insgesamt rund 300 Helfern umgesetzt werden.

Dabei ist der Art des Engagements keine Grenze gesetzt. So kommt das Altenwohnheim St. Lamberti an der Scharnhorststraße dank des Freiwilligentages in den Genuss eines Konzertes. Morgens um 9 Uhr kommt ein zehnköpfiger Freiwillienchor unter Leitung von Maike Neunast vorbei, um mit interessierten Heimbewohnern ein Gesangsprogramm einzustudieren.

Um 11 Uhr füllt sich dann das Foyer des Wohnheims, und mit vereinten Kräften schmettern alle: „Die Gedanken sind frei.“

Heimleiter Markus Brinkmann hat den Chor, vermittelt von der Freiwilligenagentur, zum anschließenden Mittagessen eingeladen, so gut findet er die Idee.

Freiwillige der ganz besonderen Art sorgen am Samstag im Klarstift für Aufsehen. Sieben junge Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Somalia und Albanien putzen insgesamt 120 Rollstühle und Rollatoren. Normalerweise übernehmen „die Leute aus dem Freiwilligen Sozialen Jahr die Arbeit“, erklärt die Ergotherapeutin Melanie Beyer. Das Schöne an dieser Aktion sei, „dass jetzt alle Rollstühle zeitgleich schön sauber sind“.

Begleitet werden die Flüchtlinge, die in der Kinder- und Jugendhilfe St. Mauritz leben, von Stefan Hübers. Er versichert, dass es nicht schwer gewesen sei, die „Jungen von dieser Aktion zu überzeugen“. Der Grund: „In den Herkunftsländern dieser Jugendlichen ist es eine Selbstverständlichkeit, alten Menschen zu helfen. Das ist Teil ihrer Kultur.“

Strahlende Gesichter auch am Dahlweg, wo Hannah Flachs eine Flüchtlingsunterkunft des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) leitet. Ihr Ziel ist es seit Längerem, „dass wir die Außenanlagen schön gestalten“. Der Freiwilligentag biete die Chance dazu. Mit Hilfe eines sechsköpfigen Helferteams, das die Freiwilligenagentur vermittelt hat, werden an diesem Samstag vier Säcke Blumenzwiebeln und rund 30 Topfpflanzen eingepflanzt. Auch für die Kinder war es ein Riesenspektakel. Positiver Nebeneffekt dieses Tages: Die Freiwilligen zeigen großes Interesse an der Flüchtlingsarbeit, vielleicht stoßen sie ja demnächst zu dem 30-köpfigen Helferteam am Dahlweg.  

Kommentar: Helfen verändert den Blick

Hand aufs Herz: Wie viele 16-Jährige verspüren Lust, an einem Samstagmorgen um 9 Uhr in einem Altenheim vorstellig zu werden, um dort 120 Rollstühle und Rollatoren zu putzen? Der Freiwilligentag am Samstag bot eine Antwort: Mindestens sieben. Zwei Syrer, zwei Afghanen, zwei Somalier und ein Albaner, die allesamt in der Kinder- und Jugendhilfe St. Mauritz leben. Sie machten den Senioren im Klarastift eine Freude – und durchbrachen nebenbei das gängige Klischee: Den jungen Flüchtlingen wurde nicht geholfen, nein, sie haben selbst geholfen. Beispiele wie diese zeigen, wie segensreich die Arbeit der Freiwilligen-Agentur ist. Nicht nur am Freiwilligentag führt die Agentur Menschen, die was machen wollen, mit Menschen zusammen, die Hilfe gebrauchen können. Und seien es „nur“ blitzblank geputzte Rollstühle. Gäbe es die Freiwilligenagentur nicht, man müsse sie erfinden.

Klaus Baumeister

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