Uni-Rektorin Ursula Nelles tritt ab - ein Leitartikel Resolute Strategin im Schloss

Münster -

Rektoratswechsel an der Universität – das klingt nicht sonderlich aufregend. Ist es auch nicht, weil nichts dagegen spricht, dass die große Westfälische Wilhelms-Universität mit ihrem neuen Rektor, dem Physiker Johannes Wessels nicht in guten Händen wäre. Mit Ursula Nelles, die nun nach zehn Jahren abtritt, hat die WWU in ihrer 236-jährigen Geschichte so viel Wandel wie selten erlebt.

Von Karin Völker
Mit Ursula Nelles, die nach zehn Jahren als Rektorin abtritt, hat die WWU in ihrer 236-jährigen Geschichte so viel Wandel wie selten erlebt.  
Mit Ursula Nelles, die nach zehn Jahren als Rektorin abtritt, hat die WWU in ihrer 236-jährigen Geschichte so viel Wandel wie selten erlebt.   Foto: Oliver Werner

Die Reform des Studiensystems durch den Bologna-Prozess , die Finanzförderung der staatlichen Hochschulen im Wettbewerbsmodus hat sie nicht nur begleitet, sondern gestaltet – auf ihre resolute Art, die dabei hilfreich war, in der WWU mit ihren über 600 Professoren aber auch nicht jedem gefallen hat.

In den Kreis der zehn besonders üppig geförderten Exzellenzuniversitäten hat es die WWU unter Nelles nicht geschafft. Das war aber auch nicht ernsthaft zu erwarten – lange galt die WWU als Universität, wo zwar ordentlich, aber nicht außergewöhnlich innovativ geforscht wurde.

Das hat sich in den vergangenen zehn Jahren, in denen Ursula Nelles die Universität geführt hat, geändert. Und einer ihrer Verdienste ist es dabei, dass Nelles nicht nur die drittmittelträchtigen Naturwissenschaften gestärkt, sondern auch stark auf die große geisteswissenschaftliche Tradition der WWU gesetzt hat. Die Geisteswissenschaften, viele mittlerweile konzentriert im Exzellenzcluster „Religion und Politik“ haben eine stärkere Position als lange zuvor, auch die Theologien. Ursula Nelles hat beharrlich und mit viel Energie auf den Ausbau der islamischen Theologie gesetzt – und damit die christlichen Theologien nicht geschwächt, sondern aufgewertet. Sichtbares Zeichen wird der theologische Campus sein, der an der Robert-Koch-Straße entstehen soll.

Die Organisation des Studiums läuft in der Massenuniversität WWU geräuschloser, Proteste wegen überfüllter Lehrveranstaltungen und chaotischer Studienplanung sind selten geworden. Die Absolventen-Zahlen zeigen, dass die meisten Studierenden zügig zu ihrem Abschluss kommen, Erstsemester hieß Nelles in unterhaltsamen Willkommens-Veranstaltungen im H1 samt Geschenk willkommen.

Und da wäre noch das Verhältnis zur Stadt Münster – von dem es lange hieß, es sei von gegenseitigem Fremdeln bestimmt.

„Wissenschaft und Lebensart“, lautet jetzt der Marketing-Slogan der Stadt – und er steht auch für bemerkenswerte Initiativen, in denen die Universität sich in der Stadt verankert und in die Politik eingegriffen hat – nicht nur, als Nelles Oberbürgermeister Markus Lewe im Wahlkampf unterstützte. Nelles schaltete sich aktiv in die Kampagne für die Musikhalle ein, die auch die Universität gern für Veranstaltungen genutzt hätte. Dass Nelles nun, kurz vor Amtsende, zusammen mit der Stadt die Idee eines Musikcampus präsentiert hat, passt in das Bild der Strategin, die die Idee, nun als Initiative der Hochschule, wiederbelebt hat.

Ihr bisweilen als unhöflich empfundenes Durchsetzungsvermögen hat Ursula Nelles geholfen, manches in der und für die WWU in Bewegung zu bringen. Die vielen offiziellen Reden der Rektorin waren oft amüsant, was den Unterhaltungswert der meist gravitätischen akademischen Veranstaltungen gesteigert hat.

Ursula Nelles hat selbst mitunter das Bild der „Sleeping Beauty“, der schlafenden Schönheit, für die WWU bemüht. Wenn es so war, dann ist die Schönheit jetzt um einiges munterer.               Karin Völker

 

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