Tatort-Kritik Krimi statt Klamauk im Münster-Tatort „Feierstunde“

Münster -

Lohnt sich der neue Münster-Tatort? Unsere Redakteurin Petra Noppeney hat sich den ARD-Krimi vorab angesehen. Ihr Urteil: sehr gelungen. Vor allem, weil diesmal auch die Krimi-Elemente funktionieren.

Von Petra Noppeney
Tatort-Kritik : Krimi statt Klamauk im Münster-Tatort „Feierstunde“
Professor Boerne (Jan Josef Liefers, l.) kommt in der 30. Tatort-Folge aus Münster in echte Bedrängnis. Foto: WDR/Wolfgang Ennenbach

„Ich schieße in sein selbstgerechtes Herz.“ Sagt der zur Weißglut getriebene Patient zu seiner Therapeutin. In der nächsten Szene sieht man ihn mit einer Pump-Gun in der Aula des münsterischen Schlosses herumballern. Blutüberströmt liegt Gerichtsmediziner Professor Boerne am Boden. Was für ein krasser Auftakt für einen „Münster-Tatort“.

Natürlich ist Boerne nicht wirklich tot, denn: „Boerne ist unsterblich“, sagt Kommissar Thiel ( Axel Prahl ) gewohnt lakonisch am Ende des Krimis , der diesmal höchst spannend geraten ist. Und weniger komödiantisch.

Eine Geiselnahme bildet den dramaturgischen Rahmen zu diesem ARD-Sonntagskrimi. Professor Harald Götz (mit irrem Lachen: Peter Jordan) forscht an der Uni Münster nach einem Medikament gegen die tödliche Krankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose), an der auch seine Frau leidet. Als die erhofften Finanzmittel an ein Mumien-Projekt von Boerne fallen, taucht er bei dessen Feierstunde auf.

Elke Schuh hat zu diesem mitreißenden Kammerspiel ein intelligentes Drehbuch geschrieben, das nicht nur schlüssig ist, als es um den Tod beziehungsweise Selbstmord der Ehefrau von Götz geht. Auch die Wendung mit dem „Mumiengeld“, das Boerne in Wahrheit nutzen will, um die Stelle seine Kollegin Haller (ChrisTine Urspruch) zu sichern und diese mitten in die Geiselnahme katapultiert, ist fein geraten.

Darstellerisch überrascht die unbekanntere Oda Thormeyer als Dr. Corinna Adam, die Götz kühl-berechnend zur Rache anstiftet und Kommissar Thiel mehrfach fies austrickst. Friederike Kempter als Thiels Assistentin trumpft diesmal erfreulich kraftvoll auf, und Jan Josef Liefers darf – als Geisel unter Botox-Einfluss – auf seine sonstige Selbstverliebtheit verzichten. Gratulation! Ein gelungener 30. „Tatort“ aus Münster. 

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