Kammerchor sang in der Erphokirche „Hiob“ von Loewe Stehender Beifall für eine frisch polierte Rarität

Münster -

Erstaufführung in Münster!“, so prangt es ganz oben auf dem Programmheft. Das Ausrufezeichen ist gerechtfertigt, denn Carl Loewes Oratorium „Hiob“(1848) ist eine echte Rarität, die selten erklang und erst 2005 in Bad Dürkheim aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt wurde.

Von Arndt Zinkant
Unter der Leitung von Michael Schmutte stellte der Kammerchor an der Herz-Jesu-Kirche zum ersten Mal in Münster Carl Loewes Oratorium „Hiob“ vor.
Unter der Leitung von Michael Schmutte stellte der Kammerchor an der Herz-Jesu-Kirche zum ersten Mal in Münster Carl Loewes Oratorium „Hiob“ vor. Foto: Arndt Zinkant

„Erstaufführung in Münster !“, so prangt es ganz oben auf dem Programmheft. Das Ausrufezeichen ist gerechtfertigt, denn Carl Loewes Oratorium „Hiob“(1848) ist eine echte Rarität , die selten erklang und erst 2005 in Bad Dürkheim aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt wurde. Nachdem am Sonntagabend das einnehmende romantische Werk durch den Kammerchor an der Herz-Jesu-Kirche großartig zur Aufführung kam, reckte Dirigent Michael Schmutte die Partitur lächelnd in die Höhe. Die Erphokirche war voll besetzt, das Publikum spendete stehend Beifall.

Die biblische Geschichte vom großen Erdulder Hiob wurde nicht gerade oft vertont – zu groß ist wohl die inhärente Zumutung, die nach der Barmherzigkeit Gottes und dem Sinn des Leidens fragt. Carl Loewe, der nur durch seine Lieder bekannt ist (und übrigens ein Theologiestudium absolvierte), erzählt die Geschichte mit naiver Frömmigkeit, die sich in schwelgerischen Klängen und opulenter Melodik aussingt. Da ist deutsche Romantik à la Mendelssohn präsent, obwohl Loewe wie jener auch die Tradition des barocken Oratoriums fugierend wahrt.

Mit strotzender Zuversicht singen eingangs die Männerstimmen „Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet“. Mit lieblichen Holzbläsern schließt sich ein pastorales Idyll an, das das prächtige Leben des gottgefälligen Hirtenfürsten Hiob ausmalt. Als Satan sich vor Jehovas Thron schleicht, um Hiobs Leben zum Schachern zu missbrauchen, begnügt sich der Komponist mit etwas hämisch dissonantem Tenor-Gequäke. Da wirkt Wagners Alberich weit diabolischer. Tenor Stefan Sbonnik macht das aber schön subtil und ließ die Ungeheuerlichkeit dieser Szene erahnen.

Überhaupt sind die Solisten grandios: Andrea Lauren Brown singt die von Streichern umwogte Sopran-Arie „Ganz unerforschlich groß ist Gott“ wunderbar ausdrucksstark. Altistin Elvira Bill hat Power – und biblische Bässe sind sogar zwei vertreten: Michael Nonhoff gestaltet machtvoll die Rezitative, meißelt sie geradezu in Stein. Und Stefan Zenkl verleiht Hiob selber Stimme und Seele, weder weinerlich noch wutentbrannt deklamierend. Einfach fabelhaft.

Der Chor muss sich zum Glück nicht in ständigem Fugen-Gewimmel bewähren, sondern darf die weihevolle Romantik Loewes innig intonieren. Das macht er ebenso klangschön, wie die Neue Philharmonie Westfalen den orchestralen Part stemmt. Wenn Chor-Raritäten frisch poliert werden, dann bitte so.

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