Hilfe für Opfer Spuren der Gewalt bleiben nicht länger im Verborgenen

Münster -

Kompetente Beratung durch geschulte Ärzte und eine gerichtsverwertbare Dokumentation von Verletzungen bietet die Gewaltopferambulanz an der Rechtsmedizin der Uni Münster besonders Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt wurden.

Von Helmut Etzkorn
Prof. Heidi Pfeiffer leitet die Rechtsmedizin der Uni, zu der auch die Gewaltopferambulanz gehört.
Prof. Heidi Pfeiffer leitet die Rechtsmedizin der Uni, zu der auch die Gewaltopferambulanz gehört. Foto: hpe

Die Faustschläge im Gesicht sind auch Tage danach noch unübersehbar und die Schnalle der Handtasche, die ihr der Peiniger an die Backe geschleudert hat, zeigt sich als dunkelblauer Abdruck auf der Hautoberfläche.

Was Prof. Heidi Pfeiffer, Klinikdirektorin im Institut für Rechtsmedizin an der Uni, und ihr Team in der Gewaltopferambulanz an der Röntgenstraße 23 zu sehen bekommen, schockiert manchmal sogar noch hartgesottene Mediziner.

„Bis die Opfer ihre Hemmungen überwinden und zu uns kommen, dauerte es oft Monate oder Jahre“, so Pfeiffer. Fast immer sind es Frauen, die häusliche Gewalt über einen langen Zeitraum erduldet haben und bislang jedenfalls noch keine Anzeige bei der Polizei machen wollen.

In der Gewaltopferambulanz können die Verletzungen gerichtsfest dokumentiert werden. Pfeiffer: „Wenn sich die Betroffene dann später doch entscheidet, Strafanzeige zu stellen, haben wir hier Fotos, Gesprächsprotokolle und ärztliche Untersuchungsergebnisse parat. Das hilft dann den Opfern im Prozess und die Täter können sich nicht mit den üblichen Ausreden wie Treppensturz von ihrer Schuld freisprechen.“ Denn was in der digitalen Akte der Rechtsmedizin dokumentiert ist, kann nicht mehr manipuliert werden und bleibt so lange unter Verschluss, bis die jeweilige Patientin einer Weitergabe an ihren Anwalt oder an Ermittlungsbehörden zustimmt.

Pfeiffer: „Unsere Ambulanz ist bewusst niederschwellig und unbürokratisch angelegt, damit die Opfer den Mut haben, zu uns zu kommen.“ Kosten entstehen für die Betroffenen nicht, die Beratung und Untersuchung durch spezielle ausgebildete Ärzte ist vertraulich.“

Sehr schnell erkennen die Experten die typischen Verletzungen, die auf Missbrauch zurückzuführen sind. Oft kommen die Opfer auf Empfehlung von Mitarbeiterinnen in Frauenhäusern und viele wollen „einfach ein Ende der Spirale der Gewalt“ so Pfeiffer.

Einen Termin bekommt man innerhalb von 24 Stunden. Nach eine Schilderung der Ereignisse findet die körperliche Untersuchung statt.

Die Arbeit finanziert sich aus Spendengeldern, die dringend erbeten werden.

Infos unter Telefon 0251/ 83-55160.

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