Schreibwerkstatt am Prozessionsweg Keine Angst vorm weißen Blatt

Münster -

Grüne, braune und zunächst eine Menge weiße Blätter gab es am Prozessionsweg am Sonntagnachmittag. Die weißen Blätter wurden während der nächsten drei Stunden bunt gefüllt: mit Gedichten, Gedanken, Briefen, Stempeln, Emoticons.

Von Maria Conlan
Der Prozessionsweg verwandelte sich am Sonntag in eine Schreibwerkstatt.
Der Prozessionsweg verwandelte sich am Sonntag in eine Schreibwerkstatt. Foto: con

Wo sonst Spaziergänger, Hundebesitzer, Familien, Jogger, Radler vorbeirauschen, machten sie halt für Kaffee und Kuchen, um Gitarrenklängen zu lauschen, dem Pausen-Pierrot zuzusehen, sich mit Mitgliedern der Initiative Prozessionsweg St. Mauritz e.V. zu unterhalten oder etwas zu schreiben. Das Geschriebene wurde mitgenommen, in den „Briefkasten an Gott“ gesteckt oder verbrannt – auch dafür war gesorgt: Eine kleine Feuerstelle vernichtete beschriebenes Papier, das nur für den Moment gedacht war.

Nach dem „Lesen unter Linden“ vor zwei Jahren war es für die Initiative nur folgerichtig, beim „Briefkasten an Gott“ eine Schreibwerkstatt durchzuführen. Dank Künstler Klaus Wethmar , der am Sonntag ebenfalls dabei war, steht dieser besondere Briefkasten seit acht Jahren am Prozessionsweg.

Diese Schreibwerkstatt sollte den Passanten „die Angst vor dem weißen Blatt nehmen“, so der Wunsch von Dr. Elisabeth Hemfort , Vorsitzende der Initiative für diese „sperrige Aktion“. „Es geht nicht ums Produkt, sondern ums wohlige Gefühl, wenn man etwas schreibt“, erklärte die Kunsthistorikerin. Und dieses Gefühl spürten die Passanten, die sich darauf einließen, tatsächlich. Anregungen gab es reichlich: Zettel an den Bäumen, Tische mit Buchstabenplätzchen, Schreibmaterial und Impulse, eine aufrollbare Tapetenbahn mit einem stets länger werdenden Satz.

Gabriele Haubner eröffnete als Pierrot die Schreibaktion mit ihrem Brief an Gott. „Liebe Liebe“ schrieb sie „federleicht froh, dein Pierrot“ und versiegelte ihren Umschlag mit einem Herz. Mit der „Briefleserin in Blau“ von Jan Vermeer half Hermann Wallmann im Grünen den Schreibwilligen auf die Sprünge, vom Brief zum literarischen Schreiben: „Flunkern Sie, was das Zeug hält“, lockte er die Interessenten aus der Reserve.

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