Nach der Totgeburt Zoo stellt Haltung der Elefanten um

Münster -

Auch 24 Stunden nach der Totgeburt eines Elefanten im Zoo ist die Ursache unklar. Das 115 Kilogramm schwere Kalb ist inzwischen nach Berlin ins Institut für Zoo- und Wildtierforschung gebracht worden. Eine Obduktion soll Klarheit bringen. Möglicherweise litt das Ungeborene an einer Viruserkrankung.

Von Helmut P. Etzkorn
Ein Foto zeigt das tote Neugeborene. Im Bild von links Elefantenexpertin Dr. Imke Lüders, Kurator Dr. Dirk Wewers, Zootierarzt Carsten Ludwig und Zoochef Jörg Adler.
Ein Foto zeigt das tote Neugeborene. Im Bild von links Elefantenexpertin Dr. Imke Lüders, Kurator Dr. Dirk Wewers, Zootierarzt Carsten Ludwig und Zoochef Jörg Adler. Foto: hpe

„Wir sind sehr traurig, aber schauen nach vorn“, so Zoochef Jörg Adler. Weil Elefantenmutter „Corny“ laut Zootierarzt Dr. Dirk Wewers bei dem rund 30 Minuten dauernden Geburtsvorgang am Mittwochabend „nichts falsch gemacht hat und super friedlich war“, soll die 19-jährige Elefantenkuh möglichst rasch wieder vom Bullen „Alexander“ gedeckt werden.

Adler kündigte allerdings eine grundlegende Änderung der Elefantenhaltung im Zoo an, die jedoch nichts mit dem aktuellen Fall zu tun habe. Die Pfleger werden in den kommenden Jahren sukzessive ihren hautnahen Kontakt zu den Elefanten einstellen. Münster orientiert sich damit an der Elefantenhaltung beispielsweise im Kölner Zoo , wo schon „Protected Contact“ gilt und immer ein schützendes Gitter Mensch und Tier trennen. Aktuell gilt in Münster „Direct Contakt“. Der Pfleger ist quasi als Alphatier Bestandteil der Herde.

„Protected Contact“ wird europaweit inzwischen als „artgerechter angesehen“, so Kölns Zoo-Kurator Dr. Olaf Behlert . Die Entscheidung zur Haltungsumstellung fiel in Münster laut Adler bereits im Dezember 2014 aus Sicherheitsgründen und gegen den Wunsch der Pfleger.

Die Tiere müssen zunächst trainiert werden, auch ohne direkten Menschenkontakt auf Befehle zu reagieren. Die Todesrate bei erstgebärenden Zoo-Elefanten wie im Fall Corny liegt laut Adler bei 50 Prozent und sinkt mit der zweiten Geburt auf 25 Prozent. „Wir sind sehr optimistisch, beim nächsten Mal mehr Glück zu haben“, so Adler.

Für den Zoo ist es der zweite Rückschlag. Vor 16 Jahren wurde erstmals in Münster ein Elefant geboren. Er überlebte damals nur 30 Stunden. Auch die monatelange Hoffnung, Elefantenkuh Ratna würde in absehbarer Zeit ein Jungtier bekommen, hat sich inzwischen zerschlagen. „Die Schwangerschaft ist in einem frühen Stadium gescheitert“, so Zoodirektor Jörg Adler.

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