Unfall mit schweren Folgen Ein Bild der Verwüstung

Horstmar -

Ein Lastwagen ist am frühen Mittwochmorgen von der Straße abgekommen und in die Antonius-Kapelle gefahren. Dabei wird der 43-jährige Fahrer leicht verletzt. Der Gebetsraum, der unter Denkmalschutz steht, wird schwer beschädigt und ist einsturzgefährdet.

Von Sabine Niestert
Der nicht mehr fahrbereite Sattelzug hat sich am frühen Mittwochmorgen mit seiner Vorderfront in die Seitenwand der An­tonius-Kapelle gebohrt.
Der nicht mehr fahrbereite Sattelzug hat sich am frühen Mittwochmorgen mit seiner Vorderfront in die Seitenwand der An­tonius-Kapelle gebohrt.

Die Antonius-Kapelle bietet ein Bild der Verwüstung. Im Inneren liegen Schutt und Steine herum. Die Holzbänke sind umgestürzt oder ineinander geschoben. In der Seitenwand klafft ein großes Loch, durch das sich der Lkw gebohrt hat. Dessen 43-jähriger Fahrer ist am frühen Mittwochmorgen in die Antonius-Kapelle gekracht. Das Unglück, bei dem der Lkw-Fahrer den Angaben der Polizei zufolge nur leicht verletzt worden ist, spricht sich wie ein Lauffeuer in Horstmar herum.

Zahlreiche Bürger – bei den meisten handelt es sich um Antoniusbrüder – fahren direkt zum Unfallort, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen. Nach erster Einschätzung ist das Gebäude einsturzgefährdet. „Die Feuerwehr hat mich angerufen und gesagt, dass ich schnell kommen soll“, berichtet Heinz Schütte. Er ist Vorsitzender der Antonius-Bruderschaft, die sich um den schmucken Kirchenbau am Schöppinger Berg kümmert, ihn pflegt und unterhält. Für ihn und seine Mitstreiter ist das Bild der Verwüstung und Zerstörung nur schwer zu ertragen. Die Feuerwehr hat die Kapelle mit Stahlträgern abgestützt und das Loch mit einer Plane notdürftig abgedeckt.

Die stürmischen Böen zerren unermüdlich an ihr. Es ist kalt und ungemütlich und die Antoniusbrüder ziehen sich ins Innere des Betraumes zurück. Dieser steht unter Denkmalschutz und ist 1770 erbaut worden.

„Jahrzehntelang ist nichts passiert und jetzt das“, können es die Männer nicht fassen, dass der Sattelzug möglicherweise das Schicksal ihrer Kapelle besiegelt hat. „Hauptsache, es sind keine Menschen zu Schaden gekommen“, hofft Diakon Franz-Josef Reuver, dass es den Unglücksfahrer nicht so schwer getroffen hat. „Dass der da überhaupt lebend herausgekommen ist“, wundert sich Norbert Blanke, der die zertrümmerte Frontscheibe des Sattelzugs im Blick hat und befürchtet, dass dieser das komplette Dach angehoben und den gesamten Bau verschoben hat.

Weil die Antonius-Kapelle Eigentum der katholischen Kirchengemeinde St. Gertrudis ist, hat Diakon Franz-Josef Reuver Pfarrdechant Johannes Büll und die Zentralrendantur benachrichtigt, die im Lauf des Vormittags einen Statiker zum Unfallort schickt. „Der Fachmann hat gesagt, dass das Gebäude noch stärker abgestützt werden muss, bevor der Lkw abgeschleppt werden kann“, berichtet Schütte im Gespräch mit dieser Zeitung. Damit würden Spezialfirmen mit großen Gerätschaften beauftragt.

Das Unglück zieht auch zahlreiche Schaulustige an. Immer wieder kommt es auf der Landstraße 579 (Schöppinger Straße) zu brenzligen Situationen, weil Autofahrer plötzlich abbremsen, um zu gucken. Einige machen sogar Fotos.

„Der Fahrer ist bestimmt eingeschlafen“, vermutet ein Spaziergänger mit Blick auf die lange Spur des Sattelzugs, der von Horstmar in Richtung Schöppingen unterwegs war. Nach dem Anstieg auf den Berg kam dieser nach rechts von der Fahrbahn ab, schlitterte über die Grünfläche und stieß dann gegen die Kapelle. Ein Rettungswagen brachte den 43-Jährigen in ein Krankenhaus. Das alles hat sich laut Polizeibericht gegen 3.25 Uhr ereignet. „Um die Zeit war es noch gar nicht stürmisch“, meint Heinz Schütte, auf die Frage, ob möglicherweise der Sturm „Burglind“ Auslöser für den Unfall gewesen sein könnte und der Wind den Lkw von der Straße gedrückt hat.

Die Polizei hat die Ermittlungen zum genauen Unfallhergang aufgenommen. Der Gesamtschaden liegt nach ersten Schätzungen im fünfstelligen Eurobereich. Der Schaden am Lastwagen wird von der Polizei auf 7000 Euro beziffert.

Während zunächst die Schöppinger Feuerwehr mit 32 Wehrleuten im Einsatz war, um die Umfallstelle zu sichern, erfolgt gegen 6 Uhr die Ablösung durch Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Horstmar. Wie Stadtbrandmeister Wilhelm Homann berichtet, war diese mit 16 Helfern aktiv. Den ganzen Tag vor Ort sind Heinz Schütte und seine Mitstreiter, die die sakralen Gegenstände und Bänke aus dem beschädigten Andachtsraum räumen, um diese in Sicherheit zu bringen. Zudem schaffen sie den Schutt und die Steine beiseite. Zum Glück haben sie dabei zahlreiche Helfer. Dann sind die Spezialkräfte gefordert. Im strömenden Regen und bei stürmischen Wind versuchen sie den Lastwagen aus der Kapelle zu ziehen, was sich als ein schwieriges Unterfangen erweist, weil dieser sich verkeilt hat.

http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5397983?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686831%2F