Schweinepest „Kein Grund zur Panik“

Ladbergen -

Wildschweine gibt es in Greven nicht all zu viele. Sie tauchen hier nur sporadisch auf. Trotzdem haben die Landwirte Angst vor der Schweinepest. „Diese Krankheit muss nur irgendwo in Deutschland ausbrechen, dann gehen die Preise für Schweinefleisch in den Keller. Denn: 23 Prozent der Erzeugnisse gehen in den Export.

Von Sigmar Teuber
Schweine im Freigehege sind eher selten anzutreffen. Die Ladberger Landwirte sind angesichts der drohenden Gefahr der Afrikanischen Schweinepest noch stärker als sonst darauf bedacht, mit Hygienesperren die Ställe virenfrei zu halten..
Schweine im Freigehege sind eher selten anzutreffen. Die Ladberger Landwirte sind angesichts der drohenden Gefahr der Afrikanischen Schweinepest noch stärker als sonst darauf bedacht, mit Hygienesperren die Ställe virenfrei zu halten.. Foto: di

Afrikanische Schweinepest: Ein Stichwort, das in jüngster Zeit in kaum einem Medium fehlt. Agrarpolitiker fürchten die „Pestis Africana Suum“, die sich offenbar von Osten aus Polen und Tschechien auf den Weg nach Deutschland gemacht hat. Wildschweine, dort offiziell als Träger der Schweinepest ausgemacht, werden auch hierzulande massenhaft geschossen. Wie steht es in Ladbergen um die Virusinfektion?

„Im Moment ist alles ruhig. Soweit ich weiß, ist in Deutschland noch kein einziger Fall bekannt“, sagt Anja Snethkamp, Sprecherin des Hegeringes. Wildschweine seien im Heidedorf eher Mangelware. „Sie sind sogenanntes Durchgangswild. Ab und zu sehen wir hier eines. Im Kreis Warendorf halten sich mehr Wildschweine auf“, berichtet die Fachfrau. Deshalb würden Ladberger Jäger auch keine spezielle Jagd auf die Schwarzkittel initiieren.

Beobachten, so Snethkamp weiter, müsse man die Sache allerdings schon. „Wildschweine sind viel unterwegs. Sie können die Krankheit durchaus aus dem Baltikum, Russland und Polen, wo Tiere seit mehr als vier Jahren erkrankten, weiter nach Westen tragen.

Nach Meinung von Wildökologen geht die Hauptgefahr allerdings gar nicht von den Wildschweinen aus. Überträger seien auch Reisende und Berufskraftfahrer, an deren Schuhen, Kleidern oder Fahrzeugen die widerstandsfähigen Viren haften bleiben könnten. Riskant sei auch importierte Nahrung. Wenn in kleinbäuerlichen Betrieben jenseits der Grenze ein Hausschwein kränkele, werde es oft geschlachtet, um das Fleisch zu nutzen. Beispielsweise in Salami und Schinken blieben die Viren lange ansteckend. Entsorgten Kraftfahrer Essensreste in Abfallkübeln entlang der Autobahn, locke das Wildschweine an. So könne sich die Seuche durch kontaminierte Fleischreste ausbreiten.

Für Hendrik König, Sprecher des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Ladbergen, ist die Schweinepest, die langsam aber sicher vom Osten in Richtung Deutschland herüber kommt, zurzeit kein Grund zur Panik. Auch er sieht eine Gefahr eher in kontaminierten Lebensmittelresten, als in den Wildschweinen. Ansonsten, sagt er, hätten die Ladberger Landwirte die Lage im Blick und achteten noch mehr als sonst darauf, beim Betreten der Schweineställe über Hygienesperren und das Wechseln der Kleidung Viren von den Tieren fernzuhalten.

Auch im Nachbarort Greven beobachten Jäger und Landwirte die Entwicklung. Für Ortslandwirt Matthias Langkamp geht es weniger darum, ob die Schweinepest vor Ort ausbricht. Der Mann, der selbst eine Schweinemast und -zucht betreibt, sagt: „Sobald ein Fall der Schweinepest in Deutschland auftritt, bricht der Exportmarkt komplett zusammen“. Deutschland habe eine Selbstversorgungsquote von 123 Prozent. „Also gehen 23 Prozent der Schweine in den Export.“ Werde das Fleisch nicht mehr abgenommen, breche der Preis völlig ein. Und der sei sowieso schon wieder weit unten. „Der Preis ist von 1,80 Euro pro Kilo auf 1,37 Euro gesunken, weil China eigene Bestände deutlich ausgebaut hat.“

Trete der Fall der Schweinepest auf einem Hof auf, trete die Tierseuchenkasse auf den Plan. „Das ist eine Zwangsversicherung, die jeder Betrieb abschließen muss“, erklärt Langkamp. Diese Versicherung komme für den Schaden auf, wenn die Tiere eines Bestandes gekeult werden müssten. „Einige Kollegen haben eine zusätzliche, allerdings sehr teure Versicherung, die die Ausfälle für ein Jahr zahlt.“ Nur wisse man nicht, wie lange so eine Krise dauern könne.

Letztendlich ist Langkamp Realist. „Wir Landwirte hoffen alle, dass die Pest nicht nach Deutschland kommt. Aber realistisch gesehen ist es eigentlich nur die Frage, wann sie nach Deutschland kommt.“

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