Zwei Jahre Begegnungscafé Hilfe aus dem Café

Greven -

Das Begegnungscafé in der Karderie, das jeden zweiten Dienstag von 16 bis 18 Uhr stattfindet, wird im nächsten Monat zwei Jahre alt. Zeit für die Ehrenamtlichen Bilanz zu ziehen.

Von Luca Pals
Begegnung zwischen Einheimischen und Flüchtlingen wird in den Räumen der Karderie im Grevener Ballenlager groß geschrieben. Hinter dem monatlichen Treffen, das bereits seit zwei Jahren angeboten wird, steht ein Team mit großem ehrenamtlichen Engagement.
Begegnung zwischen Einheimischen und Flüchtlingen wird in den Räumen der Karderie im Grevener Ballenlager groß geschrieben. Hinter dem monatlichen Treffen, das bereits seit zwei Jahren angeboten wird, steht ein Team mit großem ehrenamtlichen Engagement. Foto: Luca Pals

Ein roter Ballon fliegt durch den Raum. Er gehört einem kleinen Mädchen aus Syrien. Es ist vor dem Krieg geflohen und vor einem Jahr mit seiner Familie in Greven angekommen. In der Nähe sitzen ihre Eltern, sprechen mit Grevenern über Wohnung, Arbeit und die Zukunft.

Ein typisches Bild für das Begegnungscafé in der Karderie. Das Treffen, das jeden zweiten Dienstag von 16 bis 18 Uhr stattfindet, wird im nächsten Monat zwei Jahre alt. Zeit für die Ehrenamtlichen, Bilanz zu ziehen. Heinz Kues und Bernhard Hülsken leiten den Treff, sie können eine gute Nachricht bekannt geben: Das Café zieht im April in die Begegnungsstätte des Hansaviertels um.

Hülsken und Kues, die neben ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit in der Flüchtlingshilfe Kollegen beim Caritasverband für die Diözese Münster sind, sagen, dass viele neue Freundschaften zwischen ihnen und Flüchtlingen entstanden seien. Das Café, zu dem monatlich rund „30 bis 60 Besucher“ aus Deutschland, aber auch aus Ländern wie Syrien oder Afghanistan kommen, ist für Hülsken „ein Ort der Begegnung, bei dem Kontakte geknüpft“ werden. Der Austausch zwischen den Nationen, interkulturelles Verständnis steht für ihn im Vordergrund.

Über die Helfer könnten Arbeitsplätze und Wohnung für die Neuankömmlinge vermittelt werden, denn: „Viele von den Flüchtlingen leben eben noch in Containern. Ein Zustand, der schnell zu ändern ist“, meint Bernhard Hülsken.

Der Ansprechpartner für die Flüchtlinge kann durch seine Arbeit im Caritasverband viele Kontakte knüpfen. So konnten bereits viele junge Menschen an die Hochschulen der Umgebung vermittelt werden.

Ein aktuelles Beispiel: Der gebürtige Syrer Sadik Alfaraj. Alfaraj, der mit seiner Frau und vier Kindern vor drei Jahren aus Aleppo erst in die Türkei, dann weiter nach Deutschland geflohen war, ist zur Zeit auf der Suche nach einem Apotheker-Praktikum. Auch hier können Hülsken und Kues ihre Kontakte spielen lassen, Kues: „In Greven haben wir leider keinen Apotheker mit Interesse gefunden, wir kennen aber noch andere Stellen.“

Bei dem Versuch, einen Platz für Alfaraj zu finden, spielen zwei verschiedene Punkte eine Rolle. Auf der einen Seite steht der geflohener Syrer, der bereits in seiner alten Heimat Deutsch lernte, fünf Sprachen beherrscht und nach einem Jahr Aufenthalt das Sprachzertifikat B2 knapp unter dem Niveau einer Muttersprache beherrscht.

Nach dem Praktikum und einem Kurs der Apotheker-Fachsprache kann Alfaraj in Deutschland als Apotheker arbeiten, er selber sagt: „Ich habe Spaß am Lernen und möchte es in Deutschland schaffen.“

Das Treffen in der Karderie sei „eine super Möglichkeit, mit Deutschen in Kontakt zu kommen und dabei die Sprache zu lernen“.

Das ist die eine Seite, die andere sorgt bei den Helfern für Stirnrunzeln. Hülsken: „Die Hürden, sich in Deutschland zu integrieren, sind sehr hoch“. Und Kues ergänzt: „Der deutsche Bürokratie-Dschungel hält vieles auf.“

Davon kann auch das Ehepaar Hubert und Monika Höflich aus Greven erzählen: „Man sieht viele Erfolge, andererseits aber auch viele Rückschläge.“ Dabei würde die Bürokratie, bei der die Helfer der Flüchtlingshilfe meist auf Experten zurückgreifen müssen, vieles ausbremsen.

Die Höflichs gehören seit einigen Jahren zum festen Stamm der Unterstützer. Hubert Höflich sagt: „Wir sind noch vor der eigentlichen Flüchtlingswelle engagiert gewesen, als Frau Merkel `Wir schaffen das` sagte, haben wir uns als pensionierten Lehrer direkt angesprochen gefühlt. Seitdem geben wir Deutsch-Unterricht.“

„Schlimm zu ertragen“ seien Abschiebungen: „Zuletzt wurde ein 18-jähriger ohne Vorwarnung um zwei Uhr nachts abgeholt – er stand wenige Stunden später alleine am Mailänder Flughafen.“

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