Serie „Mein Arbeitsplatz! Wenn Becherstapeln unmöglich wird

Greven -

Stefan Johannes ist Ergotherapeut. Hinter den spielerisch anmutenden Übungen, die er seinen Patienten zeigt, stecken ausgeklügelte Konzepte, die helfen, verloren gegangene Fähigkeiten wiederzuerlangen.

Von Monika Gerharz
Bunte Greifkegel  können Schlaganfall-Patienten dabei helfen, die Feinmotorik der Hände wiederzugewinnen. Stefan Johannes und seine Mitarbeiterin Andrea Riffel Franke demonstrieren das Vorgehen in der Ergotherapiepraxis an der Marktstraße.
Bunte Greifkegel  können Schlaganfall-Patienten dabei helfen, die Feinmotorik der Hände wiederzugewinnen. Stefan Johannes und seine Mitarbeiterin Andrea Riffel Franke demonstrieren das Vorgehen in der Ergotherapiepraxis an der Marktstraße. Foto: meg

Auf den ersten Blick sieht die Arbeit einfach aus. Stefan Johannes beobachtet einen Patienten dabei, wie er bunte Becher ineinander stellt. Simpel, oder? Von wegen. Wenn jemand einen Schlaganfall hinter sich hat oder bei einem Unfall verletzt worden ist, kann die einfachste Bewegung unmöglich werden. Zu Stefan Johannes‘ Job gehört es, seinen Patienten dabei zu helfen, solche Handicaps zu überwinden – durch gezielte Übungen, durch Aufmunterung, durch Gespräche, immer orientiert an durchdachten Konzepten. „Was wir hier machen, ist Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt er.

Johannes ist Ergotherapeut – Beschäftigungstherapeut, sagte man früher. „Manch einer hat uns schnell in die Ecke Basteltante gestellt“, schmunzelt er. Aber davon kann keine Rede sein. Er selbst hat den Beruf an einer dreijährigen Fachschule gelernt, heute gibt es ihn auch als Studium an einer Fachhochschule. An den Wänden in seiner Grevener Praxis hängen Poster, die den Muskel- und Skelettaufbau des Menschen zeigen. Denn darüber muss ein Ergotherapeut ebenso Bescheid wissen wie über Funktionsweisen des Gehirns, über Entwicklungsverzögerungen, über psychische Probleme und all die vielen Übungen, die helfen können. „Ein wichtiges Feld in unserem Beruf sind Wahrnehmungsstörungen bei Kindern“, sagt Johannes. Mit Hilfe von Neurofeedback bei der speziell hierfür ausgebildeten Therapeutin Beate Komnik in der Praxis Johannes lernen Kinder beispielsweise, ihre Konzentration und Aufmerksamkeit besser zu steuern. „Das funktioniert wie ein EEG “, sagt Johannes. „Es wird sehr gut angenommen.“ Das Beispiel zeigt, dass sich mit der wissenschaftlichen, medizinischen und technischen Entwicklung auch der Beruf des Ergotherapeuten ständig ändert. „Fortbildungen sind für uns deshalb ganz wichtig“, betont Johannes.

Seit 1992 ist Johannes im Beruf, seit 20 Jahren hat er in Greven seine eigene Praxis mit derzeit vier weiteren Mitarbeiterinnen. „Früher war ich in einer Suchtklinik, später in einem heilpädagogischen Kindergarten“, skizziert er, wie breit das Aufgabenfeld eines Ergotherapeuten ist. Er liebt seine Arbeit, den Kontakt zu Kindern und erwachsenen Menschen, die Vielfalt der Aufgaben. Manches ist nicht leicht zu verkraften. „Wenn zum Beispiel der Zustand von Demenzkranken schlechter wird, ist das schon schwer“, sagt er. Aber es gibt auch Erfolge mitten im Problem: „Es ist für den Patienten schon ein Gewinn, wenn man es durch Training schafft, dass er länger in seiner Wohnung leben kann als ohne Behandlung.“ Und oft sieht er tolle Fortschritte – etwa, wenn ein Schlaganfallpatient nach Wochen harter Arbeit die bunten Becher wieder mühelos stapeln kann. Stefan Johannes: „Ich würde den Beruf immer wieder wählen.“

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