Sechs Jahre Haft Netto-Markt-Räuber brauchten Geld für Drogen

Greven -

Sie gingen ungewöhnlich aggressiv vor, doch am Ende kamen sie nicht weit: Die zwei Männer, die im Mai 2016 einen Grevener Supermarkt überfielen , waren schnell gefasst. Jetzt wurden sie verurteilt.

Von Max Keldenich
Im Mai diesen Jahres überfielen zwei Männer aus Greven den Netto-Markt am Emsweg, der mittlerweile geschlossen ist. Kurz nach der Tat wurden sie nur ein paar Meter vom Tatort entfernt verhaftet.
Im Mai diesen Jahres überfielen zwei Männer aus Greven den Netto-Markt am Emsweg, der mittlerweile geschlossen ist. Kurz nach der Tat wurden sie nur ein paar Meter vom Tatort entfernt verhaftet. Foto: Oliver Hengst

2. Mai 2016: Der stellvertretende Leiter des Supermarktes Netto am Grevener Busbahnhof geht noch einmal durch die Filiale. Es ist 19.55 Uhr, also kurz vor Ladenschluss, als der Mann zwei maskierte Personen am Eingangsbereich des Supermarktes entdeckt.

Wenig später stürmen die beiden Männer auf eine Verkäuferin zu, die an einer Kasse sitzt. Sie halten ihr eine Schreckschusspistole an den Kopf. „Auf den Boden, auf den Boden“, brüllen sie die Mitarbeiter an. „Wir wollen das ganze Geld haben.“ Der verängstigte stellvertretende Filialleiter übergibt den beiden Räubern die Schlüssel und begleitet sie zum Tresor. Diesem entnehmen sie etwa 900 Euro und treten sofort die Flucht an. Doch sie kommen nicht weit: Nur einige Augenblicke später werden sie in kurzem Abstand von der Polizei aufgegriffen und festgenommen.

Das Landgericht Münster beschäftigte sich am Mittwoch mit diesem Fall besonders schweren Raubes und verurteilte die beiden Täter zu einer Freiheitsstrafe von jeweils sechs Jahren. Außerdem werden sie für mindestens zwei Jahre in einer Entziehungsanstalt untergebracht. Hintergrund ist ihre notorische Drogensucht, mit der beide Täter seit dem Alter von 14 Jahren zu kämpfen haben.

"Es tut mir leid für die Opfer"

Einer von ihnen, ein 33-jähriger Mann, hat regelmäßig einen Cocktail von Heroin , Kokain , Methadon, Tavor und weiteren harten Drogen konsumiert. Doch am Abend des 2. Mai hatte er kein Bargeld mehr, um sich weiteren Stoff zu beschaffen. „Da war ich dann in einer Egal-Stimmung. Die Tat ist dann eben passiert. Es tut mir leid für die Opfer“, sagte der Mann vor Gericht.

Auch sein Komplize, ein 32-jähriger Mann, zeigte sich einsichtig. „Ich entschuldige mich von ganzem Herzen für meine Taten. Es war ein spontaner Entschluss. Ich hatte nicht die Absicht, jemanden zu verletzen.“

Opfer sind traumatisiert

Für die Opfer ist dieses Schuldeingeständnis nur ein schwacher Trost: Die bedrohte 28-jährige Verkäuferin aus Nordwalde ist durch den Überfall traumatisiert. Sie könne nachts nicht mehr schlafen und auch nicht mehr an einer Kasse arbeiten, verdeutlichte sie vor Gericht. Auch der stellvertretende Filialleiter war für fünf Wochen krankgeschrieben und hat in dieser Zeit eine Psychotherapie gemacht.

Welche Perspektive die Angeklagten für die Zukunft entwickeln wollen, konnten sie selbst nicht genau beantworten. Beide gaben an, eine Familie gründen zu wollen und sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Lange Vorstrafenregister

Die beiden Männer, die am Landgericht durch häufiges Lachen und ihre legere Jogging-Kleidung auffielen, standen aber nicht das erste Mal vor Gericht. Der 33-jährige Mann wurde bereits 2003 wegen Diebstahls und Bedrohung verurteilt. Auch für seinen 32-jährigen Mitangeklagten zählt das Vorstrafenregister 13 Eintragungen, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung.

Kampf gegen Drogensucht

„Ich kämpfe seit ein paar Jahren gegen meine Drogensucht“, sagte der Mann, der bereits mehrere Therapien erfolglos absolvierte und rückfällig wurde. Wenn er zu viel Freizeit hatte, griff er eben häufig zu harten Drogen. Wie sein 33-jähriger Mittäter hofft er nun, durch den nächsten Entzug endlich von den verbotenen Substanzen wegzukommen.

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